Band 
[Erster Band]
JPEG-Download
 

131

noch mehr, während die Darstellung der Tragödie nurnoch in den seltensten Fällen befriedigt und meist stattder Erhebung Mißbehagen erzeugt, rundet sich das Zn-sammenspiel bei einer Komödie harmonisch ab und erfreutuns mit dem Schein des Lebens. Nur von dieser Stelleaus scheint der Aufschwung des Theaters möglich zu sein.Nicht den Sisyphusstein der Tragödie den Berg hiuauf-zurollen, sondern das Lustspiel zu vertiefen, es immermehr zum Spiegel der Zeit zu machen: das ist heutedie Aufgabe der dramatischen Schriftsteller. In seinenkleinen einaktigen Stücken hat Gustav zu Pntlitz diesenWeg erfolgreich beschritten, wir verdanken ihm eine Fülleanmnthiger Genrebilder des modernen Lebens. Ist derVorwurf nicht überall von gleichem Werth, so zeichnet sichdoch die Behandlung des Stoffes stets durch ihre Zierlich-keit aus. In der neuen Komödie „Eine alte Schachtel"decken sich nun in glücklichster Weise Inhalt und Form.Lebendig aus der unmittelbaren Wirklichkeit ist das Grund-motiv gegriffen: als ihren besten Schatz hat eine Mutterihren Kindern eine alte, treue Dienerin hinterlassen. Wiehumoristisch und rührend zugleich ist die Symbolik der„alten Schachtel", einer alten Holzschachtel, in der dieMutter ihre theuersten Liebespsänder aufbewahrt hat! Diebeiden jungen Ehepaare sind wie zwei widerstrebende Töne,die durch die alte Lotte zum schönsten Wohlklang ver-bunden werden. „Zeichen der Liebe", „Eine alte Schachtel"von Putlitz und „Die Neujahrsnacht" von Benedix sinddrei vorzügliche Genrebilder, wahr in der Empfindung,sauber in der Ausführung, von einem idyllischen Reiz.Die Darstellung der „alten Schachtel" durch Frau Frieb-Blumauer (Lotte) thut freilich das Ihrige, diesen Reiz