Band 
[Erster Band]
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aber wie kann eine solche Allegorie neben der lebendigencharakteristischen Persönlichkeit der Marquise aufkommen,die zu ihren Giftmorden doch menschliche Beweggründehat? So wird die eine Gestalt durch die andere inSchatten gestellt, der Zusammenhang des Ganzen zerrissen.Die Verbindung der Voisin mit den Damen des Hofes,die zu ihr kamen, Geister zu sehen und Liebestränke zukaufen, berührt die Brinvilliers gar nicht, und wiederumraubt die Theilnahme, die Fenelon der Marquise schenkt,der Voisin, die uns als viel großartiger und dämonischergeschildert wird, in den Augen des Zuschauers jedes An-sehen. Alles ist Skizze, nichts ist ausgeführt, überall Far-benspiele, nirgends eine feste Zeichnung. Fast in jedemAkt hat die Marquise eine andere Liebesleidenschaft, dieVoisin andere Zwecke. Das Geheimniß dieser Absonder-lichkeit ist leicht zu entdecken, wenn mau die Quellenkennt, aus denen der Verfasser schöpfte. Der Reichthuman Zügen, Mittheilungen, Anekdoten, die er hier fand,reizte, verwirrte ihn; zu bald vergaß er Boileau's Regel,von zehn Gedanken nenn unter den Tisch zu werfen; erhält selbst die Titel der Herzogin von Bouillon für zukostbar, um sie zu opfern. Aber was sind uns dieTitel der Herzogin von Bouillon, das ganze Hosgeschwätzaus dem Jahre 1677, wenn es sich nicht zwanglos unddoch nothwendig aus der Fabel und der Charakteristik dereinzelnen Figuren ergiebt. Von einem melodramatischenEffekt zum andern eilend, überspringt der Dichter alleSchwierigkeiten, er motivirt nicht, er malt nur. EineScene, wie die Vergiftung des Herrn von Aubray, welcheden Mittelpunkt des Stückes hätte bilden sollen, stellt eran den Anfang und bringt somit von vornherein seine