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einer Sklavin; schon in der Wiege war der Tausch derKinder vollzogen worden. Wenn Marfa unentschlossen undschwankenden Sinnes vor Demetrius steht, so nimmt diesihn am wenigsten Wunder und erschüttert ihn in seinerUeberzeugung nicht. Die Arme war die Betrogene: zehnJahre lang hat sie in dem untergeschobenen Kinde ihrenechten Sohn gesehen. Als die Polen den Sarg des er-mordeten Kindes aus der Czarengruft schaffen wollen, ruftDemetrius: „Laßt es darin, es hat sich eingekauft mit seinemBlut!" Ueberall ein seelischer Conflict, seelische Bewegun-gen, während bei Schiller die politische Erwägung vor-herrscht. Schiller's falscher Demetrius sagt zu Marfa:„Entschließe dich! Laß deines Willens freie Handlung sein,was die Natur dir versagt. Ich fordere keine Heuchelei,keine Lüge von dir; ich fordere wahre Gefühle. Scheinedu nicht meine Mutter, sei es! Bin ich dein Sohn nicht,so bin ich der Czar, ich habe die Macht, ich habe dasGlück." Hebbel's Demetrius dagegen hat einen sentimen-talen Zug, nicht er, nur die Polen in seiner Umgebunghaben das Bewußtsein der ungeheueren Entscheidung, diean Marfa's Lippen hängt; er sagt:
„Wie ich mein Reich erob're, Stadt für StadtUnd Land für Land, so will ich Dich erobern,
Wenn sich Dein Herz nicht gleich mir öffnen kann:
Sonst wird die Mutterliebe erst geschenktUnd dann verdient, ich will sie erst verdienen,
Vielleicht, daß Dn sie mir zuletzt auch schenkst."
Auf einen solchen ritterlichen und schwärmerischen Cha-rakter muß die Entdeckung der Wahrheit vernichtend wirken.Meisterhaft hat Hebbel die Spannung gespart und langsamdas dunkle Verhängniß vor uns wachsen lassen. In einer,nach der psychologischen Seite hin eben so feinen, wie in