Band 
[Erster Band]
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Verehrer des antiken Kostüms davon halten, vermag ichnicht zu entscheiden; das moderne Publikum sagt: sie läßtden Banquier und laust mit dem Officier. Im erstenAkt tritt Aspasia nur auf, um ein Lied zu singen; demBearbeiter war- das Amazonenballet des ursprünglichenTextes nicht genehm; sein Alcibiades muß gegen üppigeTänze eifern und Timon seine Gäste auffordern, sich ander edleren Kunst des Gesanges zu erfreuen. Eine Auf-forderung, die gewiß nicht antik ist; als ob die Muse desTanzes den Alten geringer gegolten hätte, als die des Ge-sanges. Viel besser wäre es gewesen, Lindner hätte unseinen ganz neuen Timon geschrieben. Den Kardinalfehlerder Figur Timon's — woher diese verrückte und unmvti-virte Verschwendungssucht denn eigentlich stammt? — hater nicht berührt, eine rechte Basis des Charakters nichtgefunden, den für ein modernes Rechtsgefühl sehr bedenk-lichen Vorwurs, daß Timon von fremder Leute Geld denFreigebigen spielt, nicht gehoben, eher noch verstärkt: warumsoll Thrasyllus einem Verschwender, der das gelieheneGeld nicht wieder erstatten kaun, neues dazu borgen? Derschließliche Eindruck ist bei Shakspeare wie bei Lindnergleich unerquicklich; nur ist das Ganze im Original herz-kränkend bitter, während es in der Bearbeitung widerWillen Lindner's einen komischen Zusatz erhalten hat.

Wie schon angedeutet, hatte der Director He in inder Ausstattung das Mögliche geleistet und vorzüglich inder Scene des Festmahls und der Senatssitzung prächtigeund im Allgemeinen auch wahre Bilder des griechischenLebens geschaffen, die eben so sehr die Theilnahme desArchäologen verdienten, wie sie in ihrer malerischen Wir-kung das Auge erfreuten. Gespielt wurde, wie Tragödien