Band 
[Zweiter Band]
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hier als Chorführer der Menge Herr Chronegk erworben,der gleichsam der Virtuos des Ganzen ist. Die maleri-schen Gewänder der Einzelnen, die Gruppen, die sie bilden,das Auf- und Niederwogen, der Lärm, das Geschrei,Alles schließt sich zu einer Einheit zusammen, die, einProduct der Kunst, des Studiums und mühseliger Arbeit,doch in vollkommener Freiheit als unverfälschte Natur er-scheint. Auf der andern Seite treten freilich gegenüberdieser Meisterschaft und Massenwirkung die Einzelleistungenetwas in den Schatten zurück, am wenigsten noch Anto-nius, der Schürer des großen Brandes, der von HerrnWeilenbeck mit Kraft, Feuer und Ausdauer gespieltwurde. Das Berliner Publikum entsinnt sich des treff-lichen Schauspielers noch, der für Charakterrollen besondersbegabt, im Victoria-Theater nicht seinen richtigen Platzhatte. Seine Gestaltung des Antonius zeugt von ebensoviel Verständniß und Feinheit, als Leidenschaft und Origi-nalität, gewisse allzu theatralische Schritte und Bewegungenwären zu mäßigen: etwas mag hierin die Kleinheit desRaumes verschulden. Passend in ihren Rollen erschienenmir der Cäsar des Herrn Weise, der seiner Rede nuröfters einen stärkeren Ton zu geben hätte, in Shakspeare'sCäsar ist ein gutes Stück emphatischen Wortprnnks, unddie Damen Franz (Portia) und Clara Hausmann, dieals Knabe Clodius an der Leiche des Cäsar einen glück-lichen und ergreifenden Moment hatte. Alles in Allem recht-fertigten diese beiden Vorstellungen, trotz der angedeutetenMängel, den Ruf, den das Meininger Theater sich erwor-ben: hier ist in der That eine Pflanzstätte und Schule derdramatischen Kunst, die zn sehen ein Genuß ist, die Freudeund Anregung nach den verschiedensten Seiten gewährt.