Band 
[Zweiter Band]
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München vortrefflicher aufgeführt, als es in Bayreuthgeschah. Das Werk des Meisters ist keineswegs unterschnöder Vergessenheit begraben, es strahlt im hellstenGlänze, gerade die Bayreuther Aufführungen erst habenden Unbefangenen die vielen Nebelflecke in dieser Sonnegezeigt.

Mir war das dichterische Werk schon seit zehn Jahrenbekannt, lange vor der Erfindung der neuen Religion desWagnerthums; lange vor jenem Augnstabend 1871, als inder Villa Wagner's am Vierwaldstätter See, in der Nähevon Luzern, bei einer Unterhandlung zwischen der Frau vonSchleinitz, dem Meister und dem Freiherrn von Losn, demGeneralintendanten des Weimarer Theaters, das Projectder Bayreuther Festspiele feste Gestalt gewann. Um derso vielfach von den modernen Dichtern benutzten und miß-brauchten Nibelungensage von Brunhild und Kriemhild,von dem lichten Siegfried und dem dunklen Hagen einenneuen Auftakt zu geben, hat Wagner die Sagen der Eddamit dem mittelalterlichen Liede, nordische Mythologie mitSchopenhaner'scher Philosophie, die Naivetät des Volks-buches vom gehörnten Siegfried mit dem Tiefsinn der Götter-dämmerung zu einem wunderlichen Ganzen verschmolzen.Ihm gefällt es, seine Arbeit ein nationales Kunstwerk zunennen. Als ob Wotan und Loge noch heute unsere natio-nalen Götter wären, als ob wir auch nur noch den Schat-ten einer Vorstellung von dem Wölsunga-Geschlecht hätten!Diesen Schemen gegenüber erscheinen wir die Statuen desVaticans, die Figuren auf Raphael's Bildern als vertrauteBekannte, als Landsleute; Hamlet ist viel inniger mitunserm Denken und Dichten verschmolzen, als die gesammteHeldenschaar Walhalla's. Aber wenn das Werk nur voll-

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