Band 
[Zweiter Band]
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mit Augen darin — Heine hat es gesagt: „die grünenAugen zwinkern nixenhaft" — das dunkelblonde Haardarum verboten ihr gleichsam den Kothurn und die tragischeMaske. Sie selbst, deren Urtheil und scharfwägenderVerstand von Allen anerkannt wird, mag es bei ihrenverunglückten Darstellungen der Phädra und der LadyMacbeth empfunden haben. Clara Stich war zumeisteine Muse der Jugend und des Mädchenthums. Dafürhatte sie das Lächeln und den Scherz, alle holdseligeNeckerei und Sinnigkeit. In ihr war etwas von Goethe'sEuphrosyne; wenn man sie als Prinz Arthur in „KönigJohann" Hubert anflehen hörte, ihr das Licht der Augennicht zu rauben, war es dem Zuschauer auch, als hätteGoethe oder Shakspeare sie so sprechen gelehrt. In solchenRollen kam ihr Alles zu Hülfe, ihre Gestalt, ihre wohl-klingende, gebildete Sprache — das Erbtheil ihrer Mutterwie der Erwerb ihres Fleißes — eine Verbindung vonSchüchternheit und Muth, das zusammen gleich bei ihremAuftreten die erfreuten Zuschauer mächtig in die Illusionfortriß. Und auf der anderen Seite, wie sinnig wußte sieOphelia's Wahnsinn und Desdemoua's Leid zu verkörpern.Der eingeborene seelische Hauch jener Gestalten schienauf sie übergegangen zu sein und ihr jene Naturlautewieder gegeben zu haben, die uns aus dem Liede Des-demona's von der Weide, aus den abgerissenen Strophen,die Ophelia im Wahnsinn singt, zaubergewaltig anklingen.Aus dieser Wahlverwandtschaft, aus diesem in ihr wal-tenden Zuge nach dem Natürlichen, das so einfach erscheintund in seiner Wesenheit so verborgen und geheimnißvollist, sind die schönsten Triumphe Clara Stich's entsprungen.Die Grnndanschanung der Künstlerin war schon aus der