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verschmolzen sich der Künstler und die poetische Gestaltzu einer so wunderbar harmonischen Einheit, daß keinemZuschauer je der Gedanke kam, ihre Realität zu bezweifeln.Das Lumpen- und das Virtuosenthum, die schneidigeIronie, die Hinschmelzende elegische Klage, durch die Ver-wahrlosung der äußeren Erscheinung und die Verbitterungdes Herzens hindurchklingend der Ton der Sehnsucht nachden Idealen, wie von ferner Aeolsharfe; aufblitzend derAdel des Geistes, wie ein Stern durch Wolken: Niemandhat das Alles so zu treffen, so auszudrücken verstandenwie Ludwig Dessoir. Dabei kein Hervordrängen derPersönlichkeit, kein Versuch, den Pariser Bummler undverunglückten Musiker aus den Kothurn zu erheben, keinDurchbrechen des Rococo-Rahmens, in den die Dichtunghineingestellt ist — sondern jeder einzelne Zug lebenswahr,historischtreu, das Ganze von einem Zauber — soll ichihn den der Kunst oder der Natur nennen? — umstoßen,der, wie er in sich unbeschreiblich war, auch eine unbe-schreibliche Wirkung erzielte. Wenn Diderot diesen NeffenRameau's hätte sehen können, welche Studie über dieSchauspielkunst würden wir dann besitzen! Diese Leistungwar Dessoir's höchste — aus ihr sprach ein Genius.Flüchtig sind die Gebilde der schauspielerischen Kunst —flüchtig vor Allem darin, daß die neue Erscheinung diealte verdrängt, die gegenwärtige Gestalt vor den ent-schwundenen Recht behält. Gewisse Bilder, gewisse Illu-sionen der Bühne jedoch verlöschen nicht in unserer Er-innerung — zu diesen wenigen gehört Dessoir's „Narziß".
Im Jahre 1867 wurde Dessoir von einem schwerenNervenleiden ergriffen, von dem er sich nie wieder ganzerholt hat. Bald längere, bald kürzere Unterbrechungen
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