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die in mehr als einer Rolle ihrer großen, von Leiden-schaften verzehrten Nebenbuhlerin, Rachel Felix, versagtwar. Nie werden die Töne der Ristori in jenes Wuth-geschrei übergehen, in dem die Rachel als Camilla ihrenBruder Horatius und ihre Vaterstadt Rom verwünschte;nie ihre Züge zu jenem furienhaften Ausdruck versteinern,mit dem jene den Orestes anstarrte, als er aus ihrenBefehl ihren Geliebten, Pyrrhus, erschlagen hat. AdelaideRistori tritt nie über die Grenze der Schönheit. DasGenie, sagt ein altes Wort, begeht straflos die schlimmstenFehler: so Rachel Felix; die Sache der fein nachempfin-denden, glücklich angelegten Talente ist es, diese Fehlervermeidend, gleichmäßigere Werke zu schaffen, die AllerBewunderung und Entzücken sind. Hier ist nach meinerAnschauung der Platz und die Stellung der Ristori.
Mit solcher Begabung aber wird man der Gestalt derJudith nur zum Theil gerecht. Das Tragische und Dämonischeder Sage liegt in dem Zusammentreffen zweier bedeutenderCharaktere: des Holofernes und der Judith. WährendHebbel die Charaktere vertieft, die Naivetät der epischenErzählung dialektisch zersetzt und den einfachen, brutalenVorgang in eine psychologische, beinahe mystische Sphäreerhoben hat, hält sich Giacometti treuer an die jüdischeUeberlieferung. Aber was uns in der Erzählung bar-barisch, doch heldenhaft berührt, stößt uns auf der Bühne,wenn wir es mit Augen sehen, ab. Giacometti läßt seineHeldin in das assyrische Lager ziehen, durch Schmeichel-künste Holofernes gewinnen und den ihr gegenüber docharglosen und vertrauenden Mann, wie grausam er auch dieAndern behandeln mag, hinterlistig todten; sie hat keinGefühl für ihn, weder für seine Größe, noch für seine