Band 
[Zweiter Band]
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haben. Marie Seebach aber ist wie Dawison den Wegder Kometen gegangen. Wenn eine solche glänzende Licht-erscheinung, die lange aus unserem Gesichtskreis ent-schwunden war, sich plötzlich wieder sichtbar am HimmelZeigt, so ist unsere erste Empfindung die des Erstaunensund der Freude: in ähnlicher Stimmung begrüße ich dasGastspiel der Künstlerin auf unserer Hofbühne. Sie er-öffnete dasselbe am Donnerstag, den 4. April 1867, mitder Darstellung der Maria Stuart, einer Rolle, in dersie dem Berliner Publikum noch neu war.

Es ist schwer, nach so vielen und zum Theil treff-lichen Verkörperungen dieser Schiller'schen Gestalt ihrnoch neue Seiten abzugewinnen und den Charakter originalzu entwickeln. Der Zeiger an der Seelenuhr Maria's,um ein Goethe'sches Bild zu gebrauchen, durchläuft einenkleinen Kreis von Empfindungen. Die leidverklärte Königinmacht nur in wenigen Momenten der stolzen, von denheftigen Leidenschaften des Hasses und der Rache erfülltenFrau Platz. Ihrer ganzen Natur nach gab Marie Seebachder duldenden, gebrochenen, schwermüthigen Fürstin denVorzug und suchte zuerst und zuletzt das Mitgefühl desZuschauers für die gefangene und verrathene Märtyrerinzu erwecken. Dies gelang ihr mit dem Wohlklang unddem sich einschmeichelnden Reiz ihrer Sprache, in ihreredlen plastischen Haltung im hohen Grade. Das Grund-motiv der Rolle schien für sie in dem Worte zu liegen:„Ich bin nur noch der Schatten der Maria." Selbst derjubelnde Ausbruch der Freude, als Maria im Anfangdes dritten Aktes den Park von Fotheringhay-Schloß be-tritt, hatte eine elegische Färbung. Dadurch erhielt dermächtige Ausbruch der Leidenschaft Maria's im Ausgang