Band 
[Zweiter Band]
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wandeln, tief Herabsteigen in die niedere Region gemeinerNaturen, deren Herz nur ein Schleifstein ist zur Schürfungihres Verstandes. Sie sehen, wie Macht vor Recht gehtin der Welt, und ahmen im Kleinen nach, was sie vonden Großen lernen. Der inneren Ruhe und dem Glückefremd, welche nur einem guten Gewissen entspringen,spähen sie in rastloser Thätigkeit nach äußerem Gewinnund Vortheil umher und bringen es in listigen Anschlägenund schlauer Verstellungskunst zu einer Virtuosität, welcheharmonisch angelegten Naturen unbegreiflich erscheint.Jede gelungene Täuschung und Uebervortheilung einesandern wird ihnen zum Triumph und zum Sporn neuerUnternehmungen. Dazu kommt, daß jede planvolle undzweckmäßige Thätigkeit selbst dem Bösewicht eine gewisseinnere Befriedigung gewährt." Dies erklärt viel, abernicht Alles in Jago's Handlungsweise, denn die Sachegewinnt zuletzt doch ein so verzweifeltes Aussehen, daßder angeblich so listige Jago schon mit einem kleinen Restseines Verstandes die Unmöglichkeit eines glücklichen Aus-gangs seiner Ränke für ihn selbst hätte erkennen und beiZeiten seinen Köpf aus der Schlinge ziehen müssen. SeinHaß gegen Othello muß aus dem Neid der gemeinerenSeele hergeleitet werden. Othello's Ritterlichkeit, Groß-muth und Ruhm sind für ihn etwas wie eine persönlicheBeschimpfung, die er rächen will; ihn ärgert die Sonne,weil sie scheint. Freilich würde sich Jago's Gestalt klarerabheben, wenn dieser allgemeine Beweggrund, die Bosheitdes Gemeinen gegen das Erhabene, in individuellerenUrsachen des Hasses eine Stütze fände. Die MonologeJago's sind doch nur ein Auskunftsmittel von mäßigerKraft und Wirkung, uns die Gestalt menschlich näher zu