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jeden feiner empfindenden Geistes bleibt das Bild dieserDesdemona.
Frau Marie Seebach hat, in der Fortsetzung ihresvon der lebhaftesten Theilnahme des Publikums begleitetenGastspiels, uns die Kriemhild in Hebbel's „Nibelungen",Gretchen in Goethe's „Faust", Katharina in der „Be-zähmten Widerspenstigen", Julia in „Romeo und Julia",die Baronin in dem französischen Scherz „Eine TasseThee" und zuletzt am Mittwoch, den 17. April, Clärchenin Goethe's „Egmont" vorgeführt. Mit Ausnahme derKriemhild waren die übrigen Gestalten der Künstlerinunserem Publikum alte, liebe, gern gesehene Bekannte.Drei Dinge sind es vor Allein, durch welche MarieSeebach die Zuschauer immer aufs Neue fesselt: dieraphaelische Anmuth und Weiche ihrer Erscheinung, dasHerzanklingende und Herzrührende ihres Organs, die tiefeDurchdringung ihrer Aufgaben. Hat das Organ auchhier und dort von seiner Frische verloren, macht sich zu-weilen in der Darstellung statt frei aufquellender Empfin-dung und eines sicher abwägenden künstlerischen Verstandeseine gewisse Künstelei geltend; Niemand kann die außer-ordentliche geistige Kraft und den poetischen Zauber dieserSchöpfungen verkennen. An geistiger Bedeutung läßtsich noch immer keine deutsche Schauspielerin mit MarieSeebach vergleichen. Einen Beweis dafür gab mir wiederihre Kriemhild, in der sie die Umwandlung des heiteren,fröhlichen, liebenden Mädchens, des sich hingebenden Weibesin die tragische Heldin mit vollendeter Wahrheit zeichnete.Die Scene im Dom, als sie an Siegfried's LeicheHagen und den Burgunden Rache schwört, hat etwas vonder düsteren Größe und dem Erzklang des alten Liedes.