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Und im Großen und Ganzen urtheilt das Publikum immergerecht. Auf dfe Dauer könnt ihr ihm nichts Unnatür-liches, nichts Unwürdiges, nichts Niederträchtiges auf-drängen.
Die Klage über den Verfall des Theaters rührt vorAllem daher, daß die Schauspieler fo wenig wie dieDichter sich in die bescheidenere Stellung finden können,die das Theater feit 1848 im öffentlichen Leben Deutsch-lands einnimmt. Sie wünschen die Zeit zurück, wo „ganzBerlin" von dem Streite der Frau Crelinger und desFräuleins von Hagn sprach; wo ein neues Stück dreiWochen lang für die Zeitungen und die Theegesellfchaftenbis hinab zu den „Eckenstehern" einen willkommenenDebattir-Stoff abgab. Mit diesem Rückblick, der einenschmerzlichen Seufzer „über unsere materialistische Zeit"hervorruft, verbindet sich die Beobachtung, daß die drama-tische Kunst seit einem Jahrzehnt wenig Blüthen angesetztund noch weniger Früchte gezeitigt hat; daß die Schau-spielkunst im Augenblick arm sowohl an erfreulichen wiean bedeutenden Talenten ist. Beide Thatsachen sind nichtwegzuleugnen^ aber wie sie naturgemäß eingetreten, werdensie in einem gewissen Zeitraum auch wieder vorübergehen.Wer sich die Mühe nimmt, die deutschen Theaterverhält-nisse in den Jahren von 1815—1840 mit denen von1848 —1875 zu vergleichen, wird über unsere Fortschritteerstaunen. Weder unsere dichterischen, noch unsere schau-spielerischen Kräfte sind geringer. Möglich, daß Seydel-mann ein größerer Schauspieler war als Dawison, her-vorragende Künstler waren beide. Ein Genie wie MarieSeebach hat die deutsche Bühne vor ihr nie besessen.Gutzkow's »Uriel Acosta" und das „Urbild des Tartuffe",