Aus der Wertherzcit.
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schweifender Ambition" sondern „unglücklicher Liebe" erfolgt sei, währendSchlegel 27. November 1772 fabulirt: „Man schildert mir ihn als einensehr luckern jungen Menschen, der seinem wahrhaftig ehrwürdigen Vatermanchen Kummer verursacht habe."
3. Goethe, der in Wetzlar sich nicht an der großen Geselligkeit be-theiiigte, war der munteren und literarisch interessirten Frau Bolz fremdgeblieben. Sie schreibt an Ring 4. Juni 1772: „Die Frankfurter Ge-lehrte Zeitung kenne so wenig, als mich auf den offenen Kops, derdaran Antheil haben soll, besinnen kann." Ihre Briefe sind eine Chronikder Vergnügungen zu Wetzlar, «w lamonx potit ooin äo 1'^.IlomLAim,wie der gesellig heitere Götter den Sitz des Reichskammergerichts nannte:Legationssecretare versuchen sich als Komödiendichter oder führen Brawes„Brutus" und Lessings „Schatz" auf; es giebt Concerte, Verloosnngen,Picknicks, Schlittenpartien. Bei letzteren glänzen Bassenheims beson-ders: vier Reiter vorn, vier hinten. Auf Redouten erscheint Götter alsIndianer oder als Bänkelsänger, während später Herr von Bretschneidereinen wirklichen Bänkelsänger seine Mordgeschichte über Werthers Leidenin den Straßen Wetzlars absingen ließ. Die Anregung zu dieser Possehatte Ganz gegeben. Beide gehörten wie Goethe der Wetzlarer „Ritter-tafel" an. Man vergleiche Loepers Noten zu „Dichtung und Wahrheit"22, 324 ff. und Göckingks vergessene Publication vom Jahr 1817:„Reise des Herrn von Bretschneider nach London und Paris nebst Aus-zügen aus seinen Briefen an Herrn Friedrich Nicolai", S. 313 s.Dieses Buch unterrichtet auch S. 372 ff. über Bretschneiders Verhält-nis zu La Roche's und Hohenseld, unter dem er kurze Zeit mit wenigErfolg arbeitete. — Llauäito sam rivos!