Heinrich v, Kleist.
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Ermordung Ottokars durch seinen Vater Rupert, Agnesens durch ihrenguten Vater Sylvester übel motivirt und eine Irrung wie im „Fiesco"oder in Grillparzers „Treuem Diener" („Wenn ihr euch tödtet, ist esein Versehn" spottet Ursula), die Versöhnung nicht wohl glaublich, derSchluß überhaupt abscheulich übers Knie gebrochen. Kleist hatte offen-bar in der stark abfallenden zweiten Hälfte nur für Eine Scene Interesse,die Grottenscene des jungen Paares. Eine isolirte Gruppe: Heinrichvon Kleist und ein geliebtes Mädchen, ganz sein, das ihm einen derSchweizer Wünsche befriedigen könnte, ist ihm plötzlich erschienen undlebt aufregend in seiner Phantasie. Diese sinnliche Scene stand ihm fest;und wie Auselm Feuerbach eingestandenermaßen die Gruppe: Alkibiadesmit den Flötenspielerinnen, ohne an das „Gastmahl" des Platon zudenken, für sich sah, so hat Kleist die Rollen erst später auf Ottokarund Agnes übertragen. Wundervoll schildert Ottokar der Geliebten dieBrautnacht, aber der sonderbar begründete Kleidertausch würde auf derBühne nur komisch wirken.
Wir wissen gar nichts über „Peter den Einsiedler"; doch der Planzu einem „Leopold von Österreich" sagt uns, daß wie ehedem FritzStolberg so auch Kleist in der Schweiz einen Hauch eidgenössischenHeldenthums gespürt hatte. Und wenn Pfuel sich einer Scene entsann,wo die übermüthigen österreichischen Ritter am Vorabend im Zelt dasSchlachtenglück auswürfeln und einer nach dem andern schwarz wirft,so hatte Kleist Wohl selbst in jungen Jahren lebenslustige Lieutenantsheute roth, morgen todt gesehen.
„Robert Guiskard" wurde 1801 in Paris begonnen und nievollendet. Was uns im „Phöbus" vorliegt, ist gewiß nicht in Dresdenneu geschrieben worden, sondern durch irgend einen Zufall, vielleicht dankder Obhut eines Freundes dem Flammentod entgangen. Ein Berichtder „Hören" gab ihm diesen historischen, von ihm gleich im ersten Actfrei gemodelten Stoss an die Hand. Der historische Guiskard wurde,während er nach dem Sieg bei Corfn zur Fahrt ins ägäische Meerrüstete, von einer Seuche befallen, der er im Juli 1085 auf Cephaloniaerlag. Er ist nicht bis vor Konstantinopel gedrungen, wohin Kleist seinenHelden geführt hat, offenbar um Guiskards ungeheure Willensstärke un-mittelbar vor dem ersehnten Port scheitern zu lassen. Guiskard willgern sterben, wenn er Byzanz gewonnen; sein Dichter ruft (9. December