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Charakteristiken / von Erich Schmidt
Entstehung
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Ferdinand Raimund.

3 SO

Diese Volksmäßigkeit findet den schönsten Heilswcg zwischen dersentimentalen Schäferherrlichkeit der Kunstidylle und den alten Harlekins-arien, doch paßt es ganz wohl, daß in Florians naivem Liebesergußauch die derbe Prosa von Knödel und Sterz Raum findet. Im Geister-reich kann dieser Wiener nicht Hausen:

Drum will ich lustig sein,

Und mich des Lebens freun!

Nur in dem Laudel,

Wo mein' MariandelSehnsuchtsvoll wartet,

Möcht ich schon sein.

Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris,

Nur in Wien ists am besten, das weiß man schon g'wiß;

Man weiß, daß's in hundert Jahren auch noch so is!

Die beliebte Selbstverherrlichung des alten Wienerthums in derLocalposse, die wir schon bei Philipp Hafner antreffen, in denSchwesternvon Prag", wo Crispin mit einer für Florian vorbildlichen Zu-sammenstellung sagt:Ich bin doch zu Pariß, zu Neapel, zu London,zu Venedig, zu Gumpoldskirchen, zu Währung und in mehreren Haupt-städten gewesen, doch eine so schöne Stadt wie Wien hab ich noch niegesehn!" Dann bei Bäuerle:

Nein, wir werden, sagen s', nimmer weiter gehn,

Denn in Wien, sagen s', ists doch gar zu schön:

Gute Leut, sagen s', und ein lustger Sinn,

In der Welt, sagen s', ist halt nur ein Wien!

und 1822 :

Das muß ja prächtig sein, dort möcht ich hin,

Ja nur ein' Kaiserstadt, ja nur ein Wien.

Oder bei Meisl, der seine Wiener in Paris singen läßt:Paris isteine schöne Stadt und gegen Wien viel größer; doch mir gefällt halt inder That mein liebes Wien viel besser; . . . Wien ist und bleibt haltmeine Welt, der Wiener bleibt beim Alten."

Aus den Diener versteht sich Raimund ausgezeichnet, aber der Herr-ist ein langweiliger Bursche. Bis an sein Ende hat Raimund diesesMisverhältnis nicht ganz überwunden, steht doch Florian neben Valentin,wie Eduard neben Flottwell. Flottwell offenbart dem ersten Liebhaber