Einleitung.
S
die Schranken schon im Beginne der Bewegung durch das gleichzeitige AuftretenPlateus und Jmmermanns gesetzt.
Auch die genannten beiden Dichter waren gleich Heine in ihrer poetischenJugend Jünger der Romantik, bei Platen hatte eine unbewußte, aus deinWohlgefallen an der Mannigfaltigkeit der Formen wohl zu erklärende An-lehnung, bei Jmmermann ein bewußtes, stark reflektiertes Hineinleben in diepoetische Welt Shakespeares, der Spanier, Tiecks und der deutschen Roman-tiker, jahrelang die gesamte Entwicklung beeinflußt. Selbst als Platen inseinem, der attischeil Komödie des Aristophanes nachgebildeten Lustspiele: .Dieverhängnisvolle Gabel' die Schicksalstragödie unbarmherzig parodierte und da-mit eine Ausartung der Romantik vernichtete, selbst als sich Jmmermann inseinem .Andreas Hafer' (.Das Trauerspiel in Tirol') der realistischen Gestaltungeines historisch-volkstümlichen Stoffes zuwandte und in dem humoristischenGedichte .Tulifäntchen' romantische Neigungen und Liebhabereien schonungslosparodierte, hatten sich beide Dichter den Nachwirkungen der romantischen Kunst-lehre wie der romantischen Poesie noch nicht völlig entwunden. Unablässig rangenbeide nach geistiger Selbständigkeit, die zum Teil durch die Rückkehr auf Wegegewonnen wurde, welche die Dichter der klassischen Periode betreten und eröffnethatten und die von den Romantikem verlassen worden waren. Im übrigen er-schienen die beiden Männer, die, in eine Persönlichkeit verschmolzen, der moder-nen deutschen Poesie den vorbildlichen Dichter gegeben haben würden, in ihrenAnlagen, ihren Schicksalen, Lebensanschauungen und Bildungsrichtungen so grund-verschieden und gegensätzlich, daß sie zu Gegnern wurden und Jmmermann sichvorübergehend selbst mit Heine gegen den .im Irrgarten der Metrik umhertau-melnden Kavalier' verbündete. Die poetische Natur Platens konnte sich nichtentfalten und ausleben ohne das Ideal einer vollendeten Form. Jmmermann,von Haus aus gleichgiltig gegen die höchste Durchbildung der Sprache, gegenmetrische Strenge und Wohlklang, schwerflüssig im Ausdrucke seiner Gedankenund unablässig mit dem Leben und den widerspruchsvollen Eindrücken der Zeitringend, suchte auf ganz anderen: Wege zum Ziele zu kommen als Platen,welcher sich früh die eigentümlichen Lebensbedingungen, das Wanderdasein imSüden, die vornehme Isolierung gesichert hatte, die seinen Wünschen undAnlagen entsprachen. In der Gegnerschaft Platens und Jmmermanns drücktesich aus, wie einseitig die Kunstauffassung beider, wie beklagenswert die aus-schließliche Betonung hier des geistigen Genusses, .der aus ewige:: Rhythmenträust', dort des .Charakteristischen der modernen Welt', des .noch nicht geschlich-teten Zwiespaltes zwischen der krankhaft gewordenen Individualität und demBedürfnisse nach organischen, objektiven Lebensformen' wirkte. Gleichwohl bliebder künftigen Weiterentwicklung der deutschen Poesie die Aufgabe, den Gegensatzin diesen Auffassungen und Bestrebungen zu versöhnen. Diese Versöhnung würderascher erreicht worden sein, wenn die letzte und größte Entfaltung sowohlPlatens als Jmmermanns nicht schon in die Periode gefallen wäre, in welcher