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Letzte Gänge / von Johannes Scherr
Entstehung
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Die Jesuiten.

schiff wird rechts und links von bekuppelten Kapellenflankiert. Das Innere zeigt durchweg eine Aus-schmückung voll Reichtum und Pracht. Eine ver-schwenderische Aufwendung von Marmor, Gold,Malerei und Skulptur hat da eine schöne Gesamt-wirkung geschaffenschön" im römisch-kirchlichenSinne verstanden. Alles zeugt von einer feinen Be-rechnung, was die verschiedenen Künste im Dienstedes Glaubens, des römisch-katholischen Glaubens zuleisten vermochten. Man gewinnt in und aus dieserjesuitischen Musterkirche den Eindruck, dieselbe versinn-bildliche meisterlich die Grundtendenz des Jesuitismus,die menschliche Schwäche und Bedürftigkeit zur Basisseiner vielgestaltigen Thätigkeit zu machen. Nicht dasDenkvermögen des Beschauers soll hier angeregt, nein,seine Einbildungskraft soll aufgeregt, sein Gefühl auf-gereizt werden bis zur mystischen Ekstase, um dannaus der Schwindelhöhe derselben in den Dämmerzu-stand der Willensentäußerung, ja der Empfindungs-losigkeit hinabzusinken.

Alljährlich am 31. Juli, dem Tage des heiliggesprochenen Ordensstifters Jgnatius, legte die Kircheihren reichsten Schmuck an. Gobelinteppiche mit Dar-stellungen von Scenen aus dem Leben des Heiligenzierten die Wände. Von den Wölbungen der Deckebis zu den Stufen der Altäre herab waren Gewindevon Kerzenbündeln gezogen, welche Namenszüge bil-