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Letzte Gänge / von Johannes Scherr
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Die Jesuiten.

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den Kampf gegen dieUngläubigen" seit Jahrhun-derten als seine erste und höchste Pflicht angesehenund zu üben gewohnt war, konnten die gräßlichenGlaubensakte" (autos äs) zum feierlichsten undvornehmsten und zugleich zum volkstümlichsten undliebsten Schauspiele werden. Nur unter einem solchenVolke konnte es für dichterisches Verdienst und höchsteKunstvollendung gelten, wenn ein Lope und ein Cal-deron in ihrenFronleichnamsspielen" (autos saoru-Eutalss) dieselben Fanatismusflammen lodern ließen,welche auf denQuemaderos" der spanischen StädteHunderte, Tausende vonKetzern" verzehrten. DerWille und Wunsch, alle nicht unbedingt und eifervolldem römisch-katholischen Dogma und Kult Anhängen-den vom Boden Spaniens, ja vom Erdboden vertilgtzu sehen, der glühte in jedem echten Spanier.

Der Gründer des Jesuitenordens war ein echterSpanier, jeder Zoll ein Spanier des 16. Jahrhunderts.Auch in ihm also brannte heiß das unerbittlicheGlaubensseuer der ..aulos Luoruiukutslo«" und der^uutos äo in". Aber sein Fanatismus war nicht einwütender, sondern ein rechnender. Vielleicht hat sichnie wieder in einem Menschen so wie in diesem dieEnergie der Abstraktion mit der nüchtern verständigenAnschauung und Wertung der Wirklichkeit verbunden.Er war in seinem Wollen, die Menschheit zu theo-kratisieren, die Erde zu einer päpstlichen Universal-