Hörsaal.
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letzten und furchtbarsten Religionskrieg zuwege, welchervon 1618—1648 gewährt hat und darum der Dreißig-jährige Krieg genannt wird. Mit dem sogenannten west-fälischen, weil zu Münster und Osnabrück in West-falen zum Abschlüsse gekommenen Frieden, gegen dencharakteristischerweise der Papst aus allen Kräften pro-testierte, hob eine neue Zeit an. Denn von jetzt anwar das große Prinzip nur geltend, daß die mensch-liche Gesellschaft nicht mehr von geistlichen, sondernvielmehr von weltlichen Interessen bestimmt werde.An die Stelle eines fiktiven Jenseits, woraus bis dahindie höchsten Gedanken und Bestrebungen der Menschensich konzentriert hatten, trat das Diesseits, das realeDasein mit seinen auf die ewigen, unwandelbaren,mehr und mehr erkannten Naturgesetze basierten Be-dürfnissen und Forderungen. Der moderne Staats-gedanke erhob sich in jugendlicher Kraft gegen denmittelalterlichen Hierarchismus, und es muß als einejener scharfen Ironien, welche uns in der Geschichteso oft begegnen, bezeichnet werden, daß es ein Kar-dinal der römischen Kirche war, welcher diesen Ge-danken des modernen Staates, diese Verweltlichungder Politik zuerst im ganzen Umfange erfaßte chndzur Staatspraxis machte: Richelieu. Das Werk diesesgroßen Staatsmannes bildete die Begründung des ab-soluten Königtums, des monarchischen Absolutismus.
Das war eine hochbedeutsame kulturgeschichtliche