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Letzte Gänge / von Johannes Scherr
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In memoriern.

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und verstanden, wer als Zuhörer und wie vieleim Lebenskämpfe Ergraute saßen da neben thaten-frohen Jünglingen ihn recht gehört, der merkteja wohl, daß sein Pessimismus doch nur ein Aus-druck des Schmerzes war darüber, daß alle die Idealeso langsam sich verwirklichten, an die er felsenfestglaubte. Hinter der dunkeln, rauhen und bitterenSchale lag ein edler, goldener Kern. Manche schmerz-liche Erfahrung und Enttäuschung hatte eben einenbleibenden Stachel in seinem Herzen zurückgelassen.Wer aber keinen solchen je verspürt, gibt sich dasbedenkliche Zeugnis, daß er nie schwer gerungen undheiß gekampft habe. Es ist ferner wahr, daß mancherwuchtige Streich, den er geführt hat, den Gegnerunnötig verletzte oder auch unverdient traf. Doch er-hob er nie den Anspruch auf Unfehlbarkeit in derFührung seiner Waffe. Das ist gewiß, daß er mitihres Stahles Schärfe nicht nur Wunden geschlagen,sondern auch fruchtbaren Grund wie mit einer Pflug-schar aufgebrochen hat für eine ideale Saat, dieallen Feinden zum Trotze später noch eine gute Erntebringen wird.

Doch genug der Züge zu seinem Charakterbilde.Wie schmerzlich fiel es ihm letzten Frühling, als justringsum ein neues, volles Leben aufgeblüht war, vonheftiger Krankheit ergriffen die Waffen niederlegen zumüssen. Tiefe Wehmut beschlich ihn, erkannte er, wie