Band 
Vierter Band
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Hundertundviertes Kapitel.

Möllere.

Mit dem Beginn der selbständigen Regierung Ludwigs XI V.,mit dem Auftreten Boileaus als poetischer Kritiker der seitheri-gen Litteratur, fiel das Emporkommen eines neuen, 1658 eröff-neten Theaters, das unter der Direktion Molieres stand, bei-nahe zusammen. Die Schaufpielergesellfchaft, deren Haupt undSeele Mokiere war, hatte ein Jahrzehnt lang die französischenProvinzen durchzogen und war in der Hauptstadt in einem fürdie gesellschaftliche und litterarische Entwickelung gleich bedeut-samen Moment erschienen. Molieres Truppe schlug rasch alleMitbewerbung aus dem Feld; wenn andre Gesellschaften ihrendramatischen Darstellungen die Spitze bieten konnten, so warensie der Wirkung der dramatischen Produktionen nicht gewachsen,welche den Schauspielern vom Petit Bourbon und Palais Rohalzu Gebote stand. Der Leiter der neuen Bühne nahm einen Platzunter den besten Lnstspielpoeten ein, bald sollte für alle, dieOhren hatten zu hören und Augen zu sehen, gewiß werden, daßMoliere der erste und größte Dichter des zeitgenössischen Frank-reich sei.

JeanPoquelin, berühmt alsMoliere, waralsderältesteSohn des Tapeziers und königlichen Tapezier-Kammerdieners(tapissior volst äs et>Ämbrs äu rot) Jean Poguelin und feinerEhegattin Marie Kresse am 15. Januar 1622 zu Paris getauft,also wahrscheinlich wenige Tage zuvor geboren. Eine für einenfranzösischen Bürgerssohn des 17. Jahrhunderts selten ausge-zeichnete Erziehung gab ihm das unter der Leitung der Jesuitenstehende College de Clermont, das er zwischen 1636 und 1641besuchte. Unmittelbar danach scheint er (denn wie manches inseinem Leben, ist auch sein Rechtsstudium nicht unwidersprech-bar verbürgt) die Rechte studiert und zu Anfang der vierziger