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Vierter Band
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HimdertundsechsteS Kapitel.

Natur nur von wenigen zum Vorbild erwählt. Unter allenfranzösischen Lyrikern genoß Jean Baptiste Rousseau beiseinen Zeitgenossen den Ruhm, daß er in seiner Poesie demgroßen Muster Boileaus am nächsten gekommen sei. Der Zeitnach gehörte Rousseau schon dem Ende des Jahrhunderts an,er kam zur Welt, als Boileaus wie Racines Ruhm in ersterBlüte stand. Geboren als Sohn eines Pariser Schuhmachersam 10. April 1670, empfing er eine vorzügliche Erziehung,ward 1688 Page des Gesandten Bonrepeaux, welcher nach Kopen-hagen ging, war späterhin Sekretär des Marschalls Tallard, desGesandten in London, und erhielt bei seiner Rückkehr eine aus-kömmliche Stelle bei der Generalkontrolle der Finanzen. SeinRuf als Poet war im Wachsen. Aber er kam in Verdacht, Ver-fasser einiger Satiren zu sein, welche dem Hof nahestehendePersönlichkeiten angriffen, und ward infolgedessen 1712 ausseinem Vaterland verwiesen. Nach einem kurzen Aufenthalt inder Schweiz trat er 1714 in die Dienste des Prinzen Eugen vonSavoyen in Wien. Auch hier machte er sich durch einige Epi-gramme bald unmöglich, kehrte nach dem Tod Ludwigs XIV.nach Frankreich zurück, geriet in neue Zerwürfnisse mit denherrschenden Gewalten, lebte wiederum als Flüchtling in Lon-don, wo er eine Sammlung seiner Werke veranstaltete, und zu-letzt in Brüssel. Er starb am 17. März 1741 zu Genette beiBrüssel, nachdem er noch die völlige Wandlung der französischenLitteratur erlebt und litterarische Kämpfe selbst mit Voltairehatte bestehen müssen.

Rousseaus „Werke"s(„<VWvrss"; erster Druck, London 1723;neueste Ausgaben von Ancau, Paris 1820, und Manuel „dwvrescbendas. 1852) bestanden zwar neben den lyrischen Ge-dichten aus Lustspielen, von denen sich eins, ,,Der S chmeichler"(„illö ÜLitsui-ch, einige Zeit auf der Bühne behauptete, Opern-dichtungen und Briefen; aber nur in der Lyrik erlangte er mehrals vorübergehende Geltung. Seine „Oden" und „Episteln"waren im strengsten Anschluß an die ernste Würde, das Pathosder hoffähigen Lyrik gehalten. Die Begeisterung in denselbenerscheint konventionell und erkünstelt, der Ausdruck ist Prunkhaftund frostig zugleich. Die Bilder entspringen nicht einer unmittel-baren lebendigen Anschauung des Poeten, sondern einer Reflexion,die sich an Mustern genährt hat und diese Muster allenfalls zuüberbieten trachtet. Auch an den Kantaten und Allegorien