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Hundertundachtes Kapitel.
Basnage de Beauval, dessen vielgelesene und gutgeschriebene„Geschichte der reformierten Kirchen" („Ilistoirs äs la rsIiZion cksssglises retormsss", Rotterdam 1690) und „Annalen der Nieder-lande" („^viiLlss äes ?rovineö8 nuiss äs 1646—-78", ebendas.1719) zu den vortrefflichsten Erzeugnissen der protestantischenFlüchtlingslitteratur zählten.
Geistig schärfer, einschneidender, darum auch einflußreicherzeigte sich die „Allgemeine Bibliothek" („Lidliorbtzgusuniverselle", mit ihren Fortsetzungen, der „Llbliotüsgus olroisie"und der „Libliotlis^us aneisnns st rnoäsrns", von 1685—1727)des Jean Le Clerc. Der Herausgeber war nicht französischerFlüchtling, sondern stammte aus einer Genfer Predigersamilie,war am 19. März 1657 zu Genf geboren, lebte als reformierterPrediger in London, dann in Holland, widmete sich später aus-schließlich litterarischen Arbeiten und starb am 8. Januar 1736zu Amsterdam. Die vorzüglichsten Aufsätze seiner umfassenden„Bibliothek" lassen ihn als einen tüchtigen Kritiker von uner-schrockenem Freimut, gesunder Einsicht, aber freilich nicht alseinen Schriftsteller erkennen, dessen formelle Durchbildung unddessen Stil dem großen Jahrhundert der französischen Litteraturentsprechen. Es ist ein Zug von Genfer Nüchternheit ohne dievolle Schärfe und den Sprachgenius Calvins und feiner älternSchüler in Le Clerc, den Schriftstellern, welchen er gegenüber-trat, war er im Ernste der Gesinnung, nicht in der Fülle undKraft der Darstellung gewachsen.
Die poetischen Produktionen der hugenottischen Verbanntenverdienten selten Lob. Ein Repräsentant der ältern hugenotti-schen, also im wesentlichen religiösen Poesie war der durch merk-würdige Schicksale ausgezeichnete Rene Konstantin de Ren -neville. Er war 1650 zu Caen geboren, hatte Ludwig XII.im Korps der „Musketiere" mit Auszeichnung gedient, einebedeutende Zivilanstellung erhalten und sich 1691, um feinenProtestantismus frei bekennen zu dürfen, mit seiner Familie nachHolland zurückgezogen. Es ist nicht völlig klar, was ihn be-stimmte, sich 1702 nach Frankreich zurückzuwagen; sicher ist,daß er, zu gleicher Zeit als poetischer Verunglimpfte Frank-reichs und als holländischer Spion angeklagt, in der Bastilleeingekerkert ward und in derselben bis 1713 schmachten mußte.In seiner Gefangenschaft schrieb er zahlreiche Gedichte, nebenreligiösen Gesängen auch Sonette und poetische Erzählungen in