Band 
Vierter Band
JPEG-Download
 

Hundertundneuntes Kapitel.

Die englische Litteratur der Destaurationsepoche.

Der Fall der englischen Puritanerrepublik und die Rückkehrdes königlichen Hauses Stuart (im Mai 1660) bezeichnen nichtnur in der politischen, sondern auch in der LitteraturgeschichteEnglands einen sehr bemerkenswerten Abschnitt. Mit dem heim-kehrenden Hos Karls H. hielten die Bewunderung und Neigungfür französische Sitte und französisches Geistesleben ihren Ein-zug; die französische Litteratur, deren eigentliche Glanztage umdie Zeit der Restauration des englischen Königtums begannen,errang zuerst in England jene mächtige Einwirkung, welchenach und nach in allen europäischen Litteraturen eintreten sollte.Die Muster der französischen Poesie und Beredsamkeit fanden inEngland um so bereitwilliger Eingang, um so rascher Anklang,als die englische Litteratur durch die große Revolution aus ihrenalten Bahnen gedrängt und ihrer alten Ideale zum großen Teilberaubt war. Wenige Überlebende einer ältern Generation ver-suchten noch in der Weise Donnes und Cowlehs, in der BenJonsons und Massingers poetisch zu wirken; ein erhabener, alleandern überragender Dichter gab mit seinen Empfindungen undseiner mächtigen Phantasie ein unvergängliches Zeugnis fürden besiegten Puritanismus und redete eine Sprache, welche dieihn umgebende Welt kaum mehr verstand. Im übrigen aberherrschte ein neuer Geist der Zügellosigkert und leichtfertigstenFrivolität, der natürliche Rückschlag der harten und kurzsichtigenStrenge während der puritanischen Herrschaft. Die schöne Litte-ratur ward zum Vehikel für die wild auflebende Weltlichkeit,Sinnlichkeit und Genußsucht, und die einzige bestimmte Forde-rung seitens ihres Publikums bestand darin, daß ihr Befriedi-gung der frivolen Unterhaltungs- und Zerstreuungslust ange-sonnen ward, welche in London Hof und Stadt erfüllte. „Dieser