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Hundertrmdelftes Kapitel.
lebendigen, flüssigen Erzählung ab und entfaltete in der einmalgewonnenen Weise eine Beweglichkeit, eine Anmut und einTalent für trockne Sarkasmen, welche mit dem ganzen Reiz völ-liger Neuheit wirkten. Dabei sprachen die milde Liebenswürdig-keit, die warme Teilnahme am menschlichen Glück und Unglück,welche Gellerts eigenstem Naturell angehörten, auch aus seinenscherzhaften Erfindungen; ein erster leiser Hauch des Rührendenbelebt eine Reihe verständiger und lehrhafter Erfindungen. Unddennoch verleugnen auch die Gellertschen „Fabeln und Er-zählungen" (Leipzig 1746, unzählige Ausgaben) nicht, wiedumpf, gedrückt und unerfreulich die deutschen Lebenszuständewaren, denen Gellert seine Handlungen und Sittenschilderungenabzugewinnen suchte. Die Herzensehrlichkeit Gellerts macht esihm unmöglich, die Eindrücke, welche er aus der Roheit, derdürftigen Enge und der niedrigen Empfindung des deutschenBürgertums seiner Zeit empfing, etwa zu beseitigen oder zubeschönigen, und so war es gerade der milde und überängstlicheGellert, welcher die Unerfreulichkeit der deutschen geselligen Zu-stände zum allgemeinern Bewußtsein brachte. Gellerts putz-und zanksüchtige Klorinden und Jsmenen, Klarinen und Sul-pitien, die roh heiratslustigen Elmiren und Dorinden, seine frechheuchlerischen Beaten, seine Ehemänner, welche noch in denFlitterwochen sich dem Teufel verkaufen, daß er ihnen die Frauwieder abnehme, oder am Sarg der ersten Frau an das Braut-kleid für die zweite denken, die am Bette der blatterkranken Gattinmit einem Lorchen scherzen, seine geizigen Organs, seine Geckenund Schwätzer haben neben aller poetischen Allgemeinheit nurallzuviele Züge der Wirklichkeit. Wider Willen des Poetenwandelt sich sein harmloser Scherz oft in die schärfste, schnei-digste Satire. Diejenigen Erzählungen, denen Gellert seineweitreichende und tiefgreifende Popularität Wohl vorzugsweisezu danken hatte, die „Geschichte von dem Hut", „Der Prozeß",„Der grüne Esel", „Die beiden Wächter", „Die Mißgeburt",„Der Bauer und sein Sohn", „Die Bauern und der Amtmann",„Hans Nord", schlugen einen leichtern Ton an, als ihn dasPublikum der Zeit gewöhnt war; auch in den kurzen „Fa-beln", wie „Der Greis", „Der Maler", „Der Lügner", „DerGeheimnisvolle", entzückte er durch den zwanglosen Fluß desVortrags und die Kunst der Pointe, welche damals völlig neuwaren. In einer Reihe seiner poetischen Geschichten ging Gellert