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Vierter Band
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HmiderNmdelfteS Kapitel.

den schönsten und kräftigsten derselben: „Wie groß ist des All-mächtgen Güte", „Wenn ich, o Schöpfer, deine Macht", „AusGott und nicht auf meinen Rat", zeigt sich ein Abglanz der mäch-tigen evangelischen Lyrik älterer Zeit, und schon das war für diePeriode, in der Geliert dichtete, ein Aufschwung und Fortschritt.

Die dramatische Thätigkeit Gellerts beschränkte sich durchausauf die jugendlichen Versuche, welche in den ersten Jahrgängender „Bremer Beiträge" und danach selbständig erschienen und fürein paar Jahrzehnte zu Säulen des sich eben erst bildenden deut-schen Bühnenrepertoires wurden. Noch Lessing legte in der,,Ham-burgischen Dramaturgie"Zeugnisdafürab, daß dieseLustspieledasmeiste ursprünglich Deutsche hätten und wahre Familiengemäldeseien, in denen man sich sogleich zu Hause finde. Die drei haupt-sächlichsten dramatischen Werke Gellerts: „Die Betschwester"(Leipzig 1745), „Die zärtlichen Schwestern" und „DasLos in der Lotterie", letztere beide in den „Lustspielen"(ebendas. 1748) vereinigt, gehören durchaus der „rührendenKomödie" an, welche durch Destouches und Nivelle de LaChaussee in der vorbildlichen französischen Litteratur eben wie-der zu einigem Ansehen gelangt war. Geliert selbst beabsichtigtemit ihnen „eher mitleidige Thränen als freudiges Gelächter" zuerregen, und legte daher allen, ja man kann sagen, den einzigenNachdruck auf die Erfindung einiger rührender Momente undeine Charakteristik, der es an jeder psychologischen Tiefe wie anjeder Beweglichkeit gebrach, welche aber die Gegensätze zwischenroher Herzenskälte und der sittlich und religiös angehauchtenwärmern Empfindung zur Anschauung brachte. Die schüchter-nen Schritte Gellerts nach der Wirklichkeit waren der Genera-tion, für die er schrieb, zum Teil schon zu kühn, die blasseSchilderung der Heuchelei in der „Betschwester" erregte heftigenAnstoß, und Geliert selbst war in spätern Tagen geneigt, dasLustspiel zu verleugnen. „Die zärtlichen Schwestern" und „DasLos in der Lotterie", in welch letzterm ein bemerkenswerterAnlauf zu einer reichern, kompliziertem Handlung genommenward, zeigen, daß hier wie überall die Anlage und Szenenführungfranzösischen Mustern abgelauscht, die Selbständigkeit aber in eineviel stärkere Betonung der Empfindung, des lehrhaften Elementsund derMoral gesetzt wurde. Dabei erwies es sich als verhängnis-voll, daß die ersten Regungen des Herzens nicht bis zumvollen, star-ken Gefühl, sondern nur bis zu einer marklosen, rührseligen Empftn-