Dar bürgerliche and moralische Drama.
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ungesetzlicher Hingebung entspringt Unheil; die Tugend alleinkann eine Ehe ruhig und glücklich machen". „Jane Shore" istdie Geliebte König Eduards IV. gewesen, sie gerät nach dessenTod in Bedrängnis, wird von Lord Hasting und Herzog Glosterzu nichtswürdigen Handlungen aufgefordert, verweigert stand-haft ihre Preisgebung und das verlangte falsche Zeugnis, stirbtden Hungertod, zu dem sie Gloster verdammt, erleidet mit einemWort ein Schicksal, welches Lord Hasting und Gloster der keusch-sten Frau und dem unschuldigsten Mädchen, die ihnen in denWurf kämen, auch bereiten würden, und wir erfahren: „daß ausVerletzung der Tugend immer Schande und Strafe entsprießen".
Schon bei diesem ersten Poeten der moralisierenden Drama-tikerschule tritt das Mißverhältnis zwischen Ursache und Wir-kung, das nachher der ganzen Richtung anhaftet, hervor unddabei die Eigentümlichkeit, daß die schwersten Konflikte undtragischen Verschuldungen des Daseins für diese Dramatikernicht vorhanden und nur die Verfehlungen gegen die bürger-liche Ehrbarkeit die Ursache tragischer Konflikte sind. Dies Ge-schlecht weiß nichts von der Gerechtigkeit und der Nemesis, dieim Innern des Menschen existieren und wirken; es kennt nurdie öffentliche Schande und den Strafrichter. Die Dichtung istihm ein Selbstzweck, es hat weder Freude noch Ekel an der Fülleder Lebenserscheinungen, es begehrt nichts, als durch anschau-lich vorgeführte Exempel zum bürgerlich Guten zu ermuntern,vor dem gesellschaftlich Bösen zu warnen. Und so verbindet sichhier eine Befreiung in seltener Weise mit einer Verengerung desPoetischen Darstellens: der glückliche Griff in die Gestalten undSchicksale der bürgerlichen Welt wird durch die gänzlich unpoe-tische Auffassung ebendieser Welt und den falschen Grundtonder hierher gehörigen Dramen doch wieder gehemmt und gelähmt.
Den ersten Schritt zum moralisierenden Schauspiel, welchesseinen Stoff aus bürgerlichen Kreisen entnahm (und in dieserBeziehung im Grund nur dem Beispiel hervorragender Drama-tiker der Shakefpeareschen und Massingerschen Zeit folgte) unddie bürgerliche Moral mit aller Entschiedenheit einprägte, thatGeorge Lillo. Geboren am 4. Februar 1693 zu London, er-lernte und betrieb Lillo das Gewerbe eines Juweliers und ver-suchte sich, seit er selbständig und wohlhabend geworden, auch inpoetischen Arbeiten, die er bis zu seinem am 3. September 1739erfolgten Tod fortsetzte. Nach einigen unbedeutendem Versuchen