Ludwig Holberg und die dänische Litteratur.
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Deutschland rasche Verbreitung. Ihre Doppelnatur kam ihnendabei außerordentlich zu gute: während sie sich in bezug auf An-lage und Ausbau der französischen Regelmäßigkeitstheorie unter-ordneten und also den Forderungen der Gottschedschen Schulevoll entsprachen, befriedigten sie anderseits alle diejenigen, welchenach unmittelbarem Leben verlangten und bei dem geringenVermögen, Leben aufzufassen und darzustellen, welches die deut-schen Poeten im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts entwickel-ten , sich gern au das in Holbergs Komödien Entfaltete hielten,da dänisches Leben doch immer für ein Surrogat des deutschengelten durste. Die Ausführungen Holbergscher Lustspiele wahr-ten bis gegen das Ende des 18. Jahrhunderts hin, und selbst, alsder wachsende Geschmack am Rührenden und die Forderung einerspannenden und kunstvoller angelegten Handlung, als die dermeisten Holbergschen Dramen ist, die Wirkungen zu gefährdenanfingen, bemächtigten sich die Bearbeiter der Erfindungen undGestalten Holbergs und suchten dieselben dem Zeitgeschmack an-zupassen, um die Bühne des Schatzes echter komischer Lebens-darstellung nicht verlustig gehen zu lassen, der in diesen Dramenenthalten ist.
Holbergs prosaische Schriften gehören größtenteils der Ge-schichte der Wissenschaft in Dänemark an; seine populär-mora-lischen „Episteln" (Kopenhagen 1748) sind mit Recht längstvergessen, größeres Interesse nehmen noch die (ursprünglich la-teinisch geschriebenen) autobiographischen Skizzen in Anspruch,welche die Grundlage der Holberg-Biographien geblieben sind.Die große litterarische Thätigkeit, welche der hervorragendeDichter und Schriftsteller entwickelt hatte, weckte zunächst keinentsprechendes Nachstreben in der dänisch-norwegischen Littera-tur. Unter den Poeten des Holbergschen Zeitalters und dernachfolgenden Generation waren nur wenige, denen man einegrößere Bedeutung zusprechen konnte. Der Philolog ChristianFalster (1690—1752) erwarb sich durch einige satirische Dich-tungen („(RristiLii Uslsters Satirer", herausgegeben von Thaa-rup, Kopenhagen 1840), welche vielfach den Holbergschen ver-glichen wurden, und durch eine vielgerühmte dänische Übertra-gung der des Ovid einen Platz in der dänischen Litte-
raturgeschichte, aber keine tiefern Wirkungen. Die interessantesteErscheinung unter der Gruppe unbedeutender Poeten, welche aufHolberg folgten, war der Norweger Christian Tullin. Ge-