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Vierter Band
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Frankreich im Zeitalter der Aufklärung.

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Lehren der radikalen Opposition ein." (Sybel, „Geschichte derRevolutionszeit", 3. Ausl., Düsseldorf 1865, Bd. 1, S. 18.)Wenige rühmliche Ausnahmen abgerechnet, erschienen der Welt-bürgerliche Freisinn und die Humanität, die religiöse Aufklä-rung, der philosophische Esprit und der Geist der Kritik bei demfranzösischen Adel des 18. Jahrhunderts als eine Insolenz undÜberhebung mehr. Eine glänzende und schwelgende Gesellschaft,die nichts über sich anerkannte, die kein göttliches oder mensch-liches Gesetz ehrte, das ihrer Willkür Schranken setzte, welchedie schreiendsten Mißbrauche und entsetzlichsten Vorrechte auf-recht erhielt und mit souveräner Verachtung die Nichtbevor-rechteten unter die Füße trat, huldigte dem neuen Geiste derLitteratur auf ihre Weise. Jede Theorie, welche eine über dieAristokratie hinausragende Autorität in Frage stellte, jederHohn, welcher Dogmen und Überlieferungen, Gewohnheiten undBräuche, Sitten und Vorurteile älterer Zeit traf, durfte aufden Beifall der französischen bevorrechteten Gesellschaft rechnen,deren Selbstgefühl auch da unerschüttert blieb, wo sie selbst ge-troffen war. Die Überzeugung, daß die eigne überragende Stel-lung unanfechtbar sei, ging Hand in Hand mit der Lust an derZerstörung des Alten. Die Anschauungen der Aufklärung fan-den bei den herrschenden Klassen in dem Blaß den stärkstenBeifall, als sie dem Egoismus, der Genußsucht, dem frechstenMaterialismus schmeichelten. Je unumwundener Philosophieund Litteratur zu verkünden begannen, daß „alles Denken undWollen stufenweise fortschreitendes gesteigertes Empfinden, allesGeistesleben Sinnenleben" sei (Condillac), daß „die Eigenliebeund das Streben nach Glück, Genuß und Selbsterhaltung derGrundtrieb aller Handlungen" sei (Holbach), daß „die Befrie-digung der Sinnlichkeit Lebenszweck und die Kunst zu genießendie einzig wahre Sittenlehre" sei (Lamettrie), daß „Selbstbe-friedigung und Selbstliebe die Hebel aller menschlichen Urteileund Handlungen" seien (Helvetius), um so leidenschaftlicher undenthusiastischer ward der Beifall, den die vornehmen und reichenKreise diesen neuen Lehren zollten. Die humanen Tendenzen,die idealen Forderungen allgemeiner Glückseligkeit, die Kon-sequenzen unbedingter Denk- und Gewissensfreiheit, welche mitdiesen Anschauungen verbunden wurden, fanden die Zustimmungdes aufgeklarten Frankreich in der Regel genau nur so weit,als sie der Überhebung und Willkür der einzelnen nicht in den

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