Voltaires Leben und Werke.
383
Von seinen übrigen Schriften sei an die „Geschichte Peters desGroßen", an das Buch „Über die Toleranz" und das „Phi-losophische Wörterbuch", an den großen „Kommentar zu Cor-neille" erinnert.
Entscheidende Thaten Voltaires in diesen Jahrzehnten, dieseinem Namen einen denkwürdigen Glanz gegeben haben unddie Wirkung mancher bedenklichen Eigenschaft und manchesschlimmen Zugs im Leben Voltaires verwischten, waren dieDenk- und Flugschriften, mit denen er bei einer Anzahl voneklatanten, durch ihn zur Kenntnis ganz Europas gelangtenFällen die barbarische und stupide Justiz, die unglaubliche Harteund Grausamkeit, welche mitten im „aufgeklärten" Jahrhundertwüteten, mit glänzendem Talent und aus dem Innersten seinerSeele kommendem Pathos bekämpfte. Durch seine unablässigenBemühungen und seine Feder wurde der an Jean Calas inToulouse begangene Justizmord als solcher eingestanden undwenigstens an der Familie des Unglücklichen gesühnt, durch ihndie Familie Sirven gerettet und bürgerlich rehabilitiert, durchihn die öffentliche Entrüstung gegen die Henker de la Barres,gegen die Stiftsherren von St. Claude, die ihre leibeignenBauern unmenschlich hart bedrückten, wachgerufen, durch ihndie Ehre und das Andenken des unglücklichen Grafen Lally-Tolleudal wiederhergestellt.
Während all dieser so verschiedenartigen Thätigkeit hatteVoltaire sein Stillleben in Ferneh fortgesetzt. Eine Bereicherungseines persönlichen Glücks erwuchs ihm 1760 aus der Adoptionvon Marie Corneille, einer entfernten Seitenverwandten desgroßen Dichters, welche im Jahr 1768 einen jungen Edelmann,Herrn von Dupuits, der in der Nachbarschaft von Ferneh Be-sitzungen hatte, heiratete. Mit der Pariser Welt stand er inbeinahe täglicher Korrespondenz, die Gäste strömten in seinemSchloß ab und zu, wenn es auch natürlich mit Voltaireswachsenden Jahren etwas stiller ward. Seine Verbindungenmit einer ganzen Reihe gekrönter Häupter (auch mit Friedrichdem Großen war der Briefwechsel seit 1758 wieder angeknüpftworden) suchte er auch noch in anderm Interesse als dem seinerEitelkeit zu nützen und trat bald für feine Schützlinge, bald fürfeine Gutsunterthanen, die Uhrmacher von Ferneh, bald fürbedrängte Talente, welche sich an ihn gewendet hatten, ein. ImJahr 1770 führte Pigalle bei Lebzeiten eine Statue Voltaires