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HimderteiimndzwanzigsleS Kapitel.
Satiren, welche je gegen die optimistische Weltanschauung undPhilosophie gerichtet worden sind. Im „Candide" wie in sämt-lichen verwandten Erzählungen bietet Voltaire memals Wirk-lichkeiten, er gibt Karikaturen und Marionetten statt leben-diger Gestalten. Aber er stellt die verzerrten Situationen miteiner Sicherheit und einer fast fieberhaften Lebendigkeit hin,er läßt seine Marionetten alle ergötzlichen, zur Verdeutlichungseiner Absichten dienenden Bewegungen machen, er flicht in dieUnmöglichkeit seiner Grunderfindung tausend seine Beobachtun-gen ein, er interessiert immer durch die rastlos vorwärts drän-gende Weise seines Bortrags. Höher als „Candide" steht nochdie Erzählung „Der Unbefangene" („U'inZöinr"), in der sicheine seltene Wärme des Dichters wenigstens für eine seiner Ge-stalten (das Fräulein von St. Ives) und ein Zug des Rühren-den neben der alten Lust am tollsten Witz und schärfsten Spottgeltend machen. — Von Voltaires sonstigen meist auf fremdemBoden spielenden Erzählungen haben „Zadig, oder die Be-stimmung", „Micromegas", „Skarmentados Reise-abenteuer", „Die Prinzessin von Babylon" nicht un-wichtige Beziehungen zu Voltaires Grundanschaunngen undeinen Teil jener Lebhaftigkeit und jener geistreichen blitzendenSatire, welche „Candide" und „UWZvnu" auszeichnen.
Die größte poetische Thätigkeit hat Voltaire als Dramatikerentfaltet, mit einer Tragödie „Adipns" hat er seine poetischeLaufbahn begonnen, mit einer Tragödie „Irene" dieselbe ge-schlossen. Dazwischen liegt eine große Anzahl von Dichtungen,von denen sich mehr als eine bis auf diese Tage lebendigwirksam behauptet, und die Voltaire den dritten Platz unter denTragikern der französischen Litteratur gesichert haben. So star-ken Anteil an den meisten Dramen Voltaires auch die Tendenzhat, so war er niemals ohne ein gewisses naiv-leidenschaftlichesInteresse für die Bühne und ihre Wirkungen. In seiner Jugendempfand er mit Unmut gewisse traditionelle Einschränkungen desfranzösischen Dramas und namentlich die strenge Beschränkungdes theatralischen Effekts durch die klassische Regel. Er entzogsich den Einwirkungen Englands auch aus diesem Gebiet nichtvöllig, aber er war freilich weit entfernt, den englischen Ge-schmack, der ihnr doch immer ein barbarischer dünkte, nach Frank-reich zu übertragen. Es konnte ihm um so weniger Ernst sein,mit dem deklamatorischen Stil der französischen Tragödie zu