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William Shakespeare : sein Leben, seine Werke und seine Zeit / Philarete Chasles, Francois-Jean Guizot ; hrsg. von P.H. Sillig
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Viertes Kapitel.

Der erste Akt. Die Aermlichkeit der Bühne und die PraLt der Dichtung.Wolfey. Heinrich VIII. Anna Boleyn.

Hur wer die Freunde, die Gönner, die Umgebung Shakespeare'skennt, mit ihnen gelebt hat, vermag seine Werke ganz zu verstehen;denn noch kein Mann von Genie lebte getrennt von seiner Natio-nalität und den Sitten seiner Zeit.

Wie vermag derjenige, welcher die Höflinge am Hofe der Kö-nigin Elisabeth nicht schwatzen hörte, die in den Stücken Shake-speares auftretenden Gecken und die komischen Karaktere seinerLustspiele richtig zu würdigen? Alles was an den Gesprächen dieserPersönlichkeiten roh, geistreich, eigenthümlich hervortretend ist, ge-sucht erscheint, wird verständlich, sobald man sich nur für einenAbend unter seine gewöhnlichen Zuhörer versetzt. Ihre Kleidung,ihre Sitten, ihre Gewohnbeiten machen uns ihre Ideen ganz ver-ständlich und dieses Verständniß erklärt wiederum den Jdeengangdes Dichters. Jean Paul sagt mit der ihm eignen Schärfe desGeistes:

Ihr, die ihr die Werke der Kunst begreifenwollt, geht und beobachtet die Menge, welche sie