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9-10 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend / J. G. v. Herder
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wahren Zweck Jesu und seiner Jüngergeschrieben hatte, von dem, als von einem Evan-gelium für unsere Zeit, ohne ein Wort Wi-derlegung, das Erste wie die Nacht vom Tage ver-drungen wäre. Sie sagen vielleicht: warum schrie-ben Sie's nicht? meine Antwort ist unverholen:weil ich's mir nicht zutraute und auf andere ge-schicktere Schriftsteller, die zu solchen Widerlegun-gen da sind, warten konnte. Auch jetzt hatte ichkein Wort davon gesagt, wcnn'S mir von Ihnennicht abgezwungen wäre. Leben Sie wohl.

Sechsunddreißigster Brief.

Hat's nicht aber edle Menschen gegeben, die;,eine Reihe von Jahren, die schönste Zeit ihres,,Lebens, gut durchlebt hatten und doch von ihrerHöhe sielen? Ihre reine Absicht ward unrein, ihrEifer sür's allgemeine Beste ward Eigennutz undHabsucht, ihr edelster Stolz Eigensucht und Hoch-muth. Ware es nun so mit Jesu" Lassetuns kein wäre? sondern war's? setzen: nichtwas geschehen seyn könnte, sondern was geschehen sey?fragen. Und da ist von jenerSupposition nichts geschehen.Die uns seinen letzten Einzug erzählt haben, sagenuns auch:es war ein Einzug zum Tode, erwußte es vorher, er kündigte ihn auf'S speciell-