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9-10 (1828) Briefe, das Studium der Theologie betreffend / J. G. v. Herder
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Beilagen.

Was soll er mehr thun? auf mich stürmen,daß ich den Durchbruch der Gnade er-kämpfe, daß ich mich in meinem Müßiggang vollschwärmender Erfahrungen daher schleppe, lebendtodtund albern bei gutem Herzen? Nein! er zeigtmir wieder meine Sphäre, meine Welt, Berufund mein Herz! Ich sehe genau, wozu ich michentschlossen , wenn und w i e und warum ichsthun muß. Ich entschließe mich nochmals, undnun tritt er mit mir vor Gott, damit meindargebrachtes Opfer des Herzens die Glut des Him-mels trinke: er giebt mir seinen Segen, und sei-nen Rath, was er mir geben kann! SeinePredigt ist zu Ende! Gott! wenn das Bewußt-seyn redlicher Entschlüsse genug ist, vordir zu erscheinen: Richter! Hier bin ich in diesemAugenblick.

Soll ich nun die Predigt mit voller Stimmeloben? Ich sie loben, statt zu empfinden undzu thun? dazu ist mein Herz zu voll, meine Brustzu beklemmt, meine Seele ist ohne Gedanken stille,wie nach einem sanften Regen die erquickte Flur!Was soll ich rühmen? Gelehrt, künstlich, galanthat er nicht gepredigt, ich weiß von keiner Dispo-sition, fragt mich nicht drum: ich weiß kein abge-pflücktes Blümchen, keine blendende Wendung! ichweiß nicht, ob er die Regeln beobachtet, die derwerthe Herr Jacob Fordyce fordert: beleidi-gen würde ich den Mann, wenn ich ihn Handwerks,mäßig loben wollte; und mich selbst noch mehr