Band 
[Adrastea I & II.]
Seite
462
JPEG-Download
 

462 VI. Wissenschaftliche Ereignisse u. Charaktere

aber unrichtig fand, gelangte er zu seinem berühm-ten Gesetz von der Bahn aller Planeten.

Wie stand es aber dabey mit seinem nothdürf-tigsten Unterhalt? Schon am »7- Okt. rü»o. schrieber an Tycho: „du versprachst mir Unterstützung,eigne und durch Empfehlung beym Kaiser, selbstReisekosten. Unter Kontrakt beruhte mit daraus, daßich mein Steyerisches Solarium behielte; er ist alsoaufgehoben, da die Provinz mir solches ge-nommen hat. Um gegen den Kaiser und Dichnicht zu fehlen, ging ich mit meinem Schaden nachPrag, wartete da auf ungewissen Erfolg, überlegte,wie lang ich, ohne mein Verderben, auf meine Ko-sten besoldungslos leben könnte. Meine Sachen habeich zu Linz gelassen, und bin mit Frau und Stief-tochter nach Prag gekommen. Jetzt habe ich nichtmehr, als was etwa noch zu einem Verzüge vonvier Wochen nöthig ist. Soll ich langer warten, somüßte mir von Deiner Magnificenz das Reisegelderstattet, oder Deine Magnificenz müßte für michbey allen denen, von welchen ich meinen Lebensun-terhalt kaufen muß, Bürge werden. Geschieht dies,so kann ich so lange bleiben, als es Deiner Magni-ficenz und den Gläubigern gefallt. Indessen willich für Astronomie so sehr arbeiten, als meine Ge-sundheit gestattet."

Unbefriedigt rcisete er von Prag ab, und ließdie Frau daselbst, ward krank, und arbeitete indeßfür Tycho fort, ohne Besoldung. Im Jahr 1602.starb Tycho; Keppler ward Kaiserlicher Mathemati-kus, mit freywillig-angewiesener Besoldung,um deren Auszahlung er aber oft bitten mußte. Un-