g74 VI« Wissenschaftliche Ereignisse und Charaktere
ten und darben, indeß die Unwissenden, die Gedan-kenlesen in trägem Uebermuth verschwendenund groß thun. Die ärmste Nation kann undmuß so viel erübrigen, daß die Wissenschaften nichtdarben, oder daß man das Ihrige ihnen als Al-mosen reiche. Es ist ein enger Ruhm der Für-sten, wenn sie die Wissenschaften, abhängig von ihrerPerson, nur almosenireN- Unabhängigkeitist, nebst sor gen freyer Muße, der Wissen-schaften erstes Bedürfniß; sodann sinds die Hülfs-mittel, ohne welche sie müßig und lahm bleiben,oder auf falsche Wege und Spekulationen gerathen.Ohne Hülfsmittel sind die Wissenschaften im Staatnicht gesunde Arbeiter im großen Laboratorium derNatur, sondern Febricitanten in elenden, abgesomderten Hospitalen.
5. Da Geister zu Erfindung neuer Wis-senschaften und Werkzeuge zwar von derNatur gesandt, aber durch Umstände erweckt oderniedergedrückt, gefördert oder verwahrloset werden:so ists ein Vergehen gegen die heiligstenGeschenke und Gaben der Natur, wennvon unreinen Thieren diese Perlen aus dem Kranzder himmlischen Urania zertreten werden. Unser Herzblutet, wenn wir die edelsten Menschen von den Un-würdigsten gekrankt, mißhandelt, verfolgt sehen.Ja, wenn diese mit anmaßend-drückendem Geschwätzihnen auch nur Geduld und Zeit rauben, sehen wirsmit Unwillen und Verachtung, So lesen wir dasKonsistorial-Rescript an den gewissenhaften Keppler,weil ex die sogenannte Eintrachts - oder Zwietrachks-formel in einigen Ausdrücken der Kirchcn-Scholastik