320 II. Briefe zu Beförderung
gung, ja ich mochte sagen, die Vernichtungdes Gefühls für Ehre und Schandehat mich in Josephs Gesetzgebung ganz irre gemacht.Vernichte das Gefühl der Ehre, den Namen derFamilie und Verwandten, die den Todten gebührendeAchtung«, f.; womit willst du es ersetzen? DieNatur selbst sträubt sich gegen solche Einrichtungen,die Joseph daber bald selbst einschränken, einstellenmußte', oder auch bald unglücklicher Weise nichteinstellte. In wenigen Jahren hätte er auf Straßenund Gaßen zwischen lauter Verbrechern gegen denStaat wandeln müssen; ein fürs Volk, für den Re-genten, und für alles, was Mensch oder Halbmenschist, abscheulicher Anblick! —
A. Ich weiß selbst nicht, wie Joseph bei seinemübrigens guten Herzen zu diesem Mangel an Mil-empsindung und Dclicatesse kam?
B. Ein Wort würde Ihnen dies erklären.Können Sie es laugnen, daß bei Joseph der Scheinder Selbstherrschaft das Meiste, ja Allesverderbte ?
A. Kaum wage ichs zu laugnen. Er wollte dasBeste, aber er wollte es als Despot. Selbst indem schönen, ich möchte sagen väterlichen Aufsätze,den er an die Chefs seiner Collegien schrieb, von demwir gesprochen haben, sind davon Spuren.
B. Und die willkührliche Verkürzung zugesicher-ter Gehalte? könnte manche derselben auch die äußer-ste Noth entschuldigen?
A. Kaum.
B. Und