35r II. Briefe zu Beförderung
Wucher, Geiz, Muthwille des Adels, Bürgers,Bauers und aller Stande so sollten bleiben und zu-nehmen ; es behielte zuletzt der arme Mann keineRinde vom Brot im Hause, und möchte lieber oderja so gern unter den Türken sitzen, als unter solchenChristen. Es stellen und zieren Hch fast der mehrereTheil des Adels so lästerlich und so schändlich, daßsie damit dem gemeinen Mann böses Blut und argenWahn machen, als sei der ganze Adel durch unddurch kein Nutze."
— „Woher werden Tyrannen? Weil sie ihrVertrauen auf ihre Macht setzen. Alle Weltweifenhaben geklagt über die Beschwerung, so im Regi-ment ist; und daher pflegen auch die Tyrannen zukommen, welche, wenn sie sehen, daß ihre Rath-schläge und ihr Thun, das alles sehr fein verordnet,keinen Fortgang oder Glück haben, oder daß ihnenandre Widerstand thun, so werden sie gar toll undunsinnig, und werden aus frommen Fürsten Tyran-nen , die mit Gewalt und andrer Leute Schaden,(welche sie meynen daß sie ihnen im Wege liegen,)sich unterstehen, hindurchzubrechen und damit ihre Ge-walt zu erhalten: denn es sind nicht tapfere Helden,die sich selbst zwingen könnten , sondern hangen undfolgen ihren Begierden nach."
— „Al^o werden auch zur Zeit des Antichristsetliche seyn, welche so genau auf den Frommen Ach-tung geben werden, ob er etwas aus Unvorsichtigkeitrede oder thue, das sie entweder mit Gewalt odermit List können verdrehen, oder gewaltsamer Weiseauf so einen Verstand ziehen, der wider den heiligenSitz der Bestie sey, damit sie alsobald nach Gewohnheit
unsrer