382 II. Briefezu Beförderung
Bedürfnisse und Befriedigungen, folglich ganz ver-schiedene Gewohnheiten und Sitten, folglich ganzverschiedene Sittenlehren, folglich ganz verschiedeneReligionen haben?
Ich. Das ist ein gewaltiger Schritt. r
Er. Hatten sie das; so würden sie auch, siemöchten heißen, wie sie wollten, sich unter einandernicht anders verhalten, als sich unsre Christen undJuden und Türken von jeher unter einander verhal-ten haben. Nicht als bloße Menschen gegenbloße Menschen; sondern als solche Menschengegen solche Menschen, die sich einen gewissengeistigen Vorzug gegen einander streitig machen, unddarauf Rechte gründen, die dem natürlichen Men-'sehen nimmermehr einfallen könnten. ^
Ich. Allenfalls dachte ich doch, sowie du an-genommen hast, daß alle ^Staaten einerlei Verfassunghatten, daß sie auch wohl alle Einerlei Religion ha-ben könnten. Ja ich begreife nicht, wie EinerleiStaatsverfassung ohne Einerlei Religion auch mög-lich ist.
Er. Ich eben so wenig. Auch nahm ich jenesnur an, um dir deine Ausflucht abzuschneiden. Ei-nes ist zuverlässig eben so unmöglich, als das andre.
Ein Staat, mehrere Staaten. Mehrere Staaten, ,mehrere Staatsverfaffungen. Mehrere Staatsver-fassungen , mehrere Religionen. — Nun sieb da dasweite Unheil, welches die bürgerliche Gesellschaftganz ihrer Absicht entgegen verursacht. Sie kann dieMenschen nicht vereinigen, ohne sie zu trennen; nichttrennen, ohne Klüfte zwischen ihnen zu befestigen,