388 II. Briefe zu Beförderung
E r. Ich verstehe dich wohl. Seitdem die Buch-druckerei ihre Worte und Zeichen in alle Welt sen-det , sollte es, meynst du, keine geheime Worte undZeichen mehr geben. Indessen stiftet auch die Buch-druckerei nur eine idealische Gesellschaft.
Zeh. Wie es in diesen Dingen seyn muß. UeberGrundsätze können sich nur Geister einander erklären;die Zusammenkunft ist sehr entbehrlich, wenn sie nichtzugleich auch meistens sehr zerstreuend und verführe-risch wäre. Im Umgänge mit Geistern auf FaustsMantel bleibt meine Seele frei; sie kann jedes Wort,jedes Bild prüfen.
Er. Und sie heben dich über alle Vorurtheikeder Staaten, der Religion, der Ständer
Ich. Völlig. Entweder denke ich bei meinenGesellschaftern Homer, Plato, Lenophon,Lacitus, Mark-Antonin, Bacv, Fene-lon gar nicht daran, zu welchem Staat oder Stan-de sie gehörten, welches Volks und welcher Religionsie waren; oder wenn sie mich daran erinnern, ge-schiehets gewiß mit wenigerer Störung, als es indeiner sichtbaren Gesellschaft je geschehen kann undmag.
E r. Gewiß.
Ich. Und kann darauf rechnen, daß sich in dieserGesellschaft, an eben diesen Grundsätzen und Lehrenalle edlen Geister der Welt mit mir vereinigen.
Er. Und du kannst selbst mit ihnen sprechen,dich ihnen vernehmlich und hörbar machen auf ebendem Wege.