der Humanität. »53
so bemerke ich nur Eins, daß bei uns, wie michdünkt, durchs Theater das Publikum gebildet wer-den müsse, nicht aber durchs Publikum das The-ater. Fürs Theater haben wir noch kein richtendesPublikum, eben weil die theatralische Kunst imSinne der Griechen die Kunst der Künste ist, vonder selbst nicht jeder Dichter, noch weniger jederLiebhaber, am wenigsten endlich der sich belustigendePöbel Begriff hat. Schmeichelt man dessen Eaum,und belustiget sich an seinem Beifall; so ist manam Rande; man verdirbt und verderbet. WelcheRäume aber haben wir noch auszumessen, ehe nichtan ein gebildetes Publikum, sondern nur an dieBildung dieses Publikum nach deutscher Sitte undLage zu gedenken istl Und doch giebt es außer ei-nem mir Sinn und Wohlgefallen beleb-ten Schauspiel kein Schauspiel; es wird einHaus voll Puppen oder wir sind in schlechter Ge-sellschaft.
Soll eine Nation keine Einbildungskraft haben :so wolle man diese auch nicht wecken; sie schlum-mere. Wecket man sie, so bilde man sie auch aus;man lasse nur Stücke, die für sie sind, und dieseauf eine Weise aufführen, dast man vom bösenGeschmack des Publikums nicht abhänge, sonderndiesen Geschmack ausrotte, oder ihn zum Gutenlenke. In Athen entstand das Theater zu Aeschy-lus Zeit auS dem hohen Gefühl der Freiheit undund des Sieges über den großen König; dies Ge-fühl stimmte die Seele zum Anblick andrer großenBegebenheiten, die tragisch vorgestellt wurden. InFrankreich und England ist das Theater, (die Mo-