der Humanität. 127
mit andern Modifikationen und Formen. So lang«es Vernunft und Willen im Menschen giebt: solange wird es ein verborgenes, stillesPublikum für Philosophie geben; nur er-warte man dieses nie sichtbar aus einem Markt,oder in einer Schule.
Fassen wir, was gesagt ist, zusammen: (dennvom politischen Publikum der Griechen wollen wirNicht reden,) so ergibt sich, daß in Ansehung derSprache, der Kunst und des Geschmacks gegen dieGriechen, wie wir sie jetzt nehmen, wir eigentlichnoch gar kein Publikum haben und gehabt haben.Mit Wohlgefallen haben wir uns eine Cultur an-dichten lassen, von der ganze Stande und Provin-zen durchaus nichts wissen; und schlummern aufdiesem erträumten Ruhme. Ich fürchte und hoffe,daß uns die Zeit aus diesem Schlummer weckenwerde. Unsere Nation kennet sich schwerlich, baldist es Religions - bald politische Parthei, bald dieunübersteigliche Grenze eines Standes und Ständ-chens, was die Stimme, ja sogar nur den Gedan-ken an ein teilnehmendes Publikum, selbst in Sa-chen des Geschmacks und der Bildung, geschweigedes allgemeinen Interesse, theilet und aufhält.Welche Werke der Wissenschaft, des Fleißes, derVertheidigung Deutschlands oder irgend eines allge-meinen Nutzens sind zu Stande gekommen, zu de-nen der Beitritt eines ansehnlichern und reicherenPublikums aus mehreren oder allen Provinzen nö-thig war? Die reichern Stände sind dabei jederzeitam untheilnehmensten geblieben; und jene altenEinrichtungen, die eigentlich doch für Wissenschaften