II
Vorrede.
Ob unsere Nachkommen eine der menschlichen Na-tur und den StaatSverfaffnngen angemessene Reli-gionsfreyheit gemessen, oder aber mit noch starker«Fesseln bejvcht werden sollen.
Es ist eine von Seite der bejochenden Partheysehr laute Klage , daß es ihre Gegner, die Auf-klärer und Philosophen, darauf absehen, alle Re-ligion aus den Herzen der Menschen zu reißen.Diese Klage bleibt aber sehr einseitig, so längenicht bestimmt entschieden wird, was für ein Be-griff denn eigentlich mit dem Worte Religion ver-bunden werden müsse. Will man einen blos blin-den Glauben an gewisse Systeme Religion nennen;so ist freylich bekannt genug, daß jener Glaube seiteinigen Jahren ziemliche Noth gelitten habe. Nimmtman, was noch häufiger geschieht , Religion undKirche für eine und die nämliche Sache; so liegt eswieder klar am Tag, daß es mit der letzten geradeso mißlich stehe / als mit gewissen Regenten, welchevon dem an sich sehr zweydeukigen Satze, daß alleobrigkeitliche Gewalt von Gott herrühre, Gelegen-heit nehmen, ihre eigene Personen für eine göttlicheStaatsgewalt ansehen zu lassen. Alle diese Begriffefind aber höchst willkürlich und unbestimmt. Werin dem Verfalle der päbsilichen Hierarchie den Un-tergang der christlichen Religion sehen will, siehtso unrichtig, als derjenige, welcher befürchtet, Laßdie Zerstörung einer monarchischen Regierungsver-