Drittes Buch. izz
Politik gewisse Begriffe zu verbreiten, die wesentlichdahin zweckten, den Despotismus zu begünstigen. Eswar auch in der That Zeit, dem gerade im zwölftenJahrhundert aufwachenden, und in der Folge durchdie nach Italien ausgewanderten Griechen begünstig-ten Dränge nach wissenschaftlicher Aufklärung eine sol-che Richtung zu geben. So wie sich die Jugend vonallen Seiten her nach den grossen Städten hindrängte,wo sich die geschicktesten Männer als Lehrer niederlies-sen , sahen sich die meisten Klöster und Kathedralkir-chcn genöthiget, aus Mangel von Studierenden ihreSchulen zu schließen, welche seit Rarls des GrossenZeiten die einzigen Pflegerinnen der Gelehrsamkeit waren.
Die Päbste wurden weit früher, als die Kaiser, desEinflusses gewahr, den diese zufällige Veränderung inder bisher üblichen Pflege der Wissenschaften auf dieallgemeine Denkungsart des Zeitalters, und auf Reli,gion und Politik haben müßte. Daher ersahen sie sich-er günstigen Gelegenheit, auch von dieser Seiteihre Gewalt zu befestigen. Hierzu diente ihnen vor-nämlich d«e Universität zu Bologna, von woher sichdie Jugend aus allen Ländern ihre nöthigen Kenntnisseholte. Es läßt sich begreifen, daß die Nähe des rö-mischen Hofes ungemein viel auf den Geist und dieDenkungsart der Professoren wirkte. Sie hatten römi-sche Kirchcnverfassung vor Augen, und stuhnden unterdem Schutze römischer Päbste, die nichts versäumten,was ihren Hohheitsbegriffen einträglich seyn konnte.Da eigentlich das Institut von Bologna der Rechts-gelehrsamkeit gewidmet war, und die Lehrer beständigeRücksicht auf die gangbare Praxin des römischen Hofesnahmen, so war es wohl kein Wunder, wenn diesePraxis unvermerkt in ganz Europa die Richtschnuraller rechtlichen Verhandlungen wurde.
Doch alle dieß würde bey der einmal erwachten Lie-be zu den Wissenschaften nicht hinlänglich gewesen seyn,