252 Gesch. d. römischkath. Kirche.
Jeder Bischof war in seiner Diözese für sich unabhän-gig , und man schien noch unendlich weit entfernt zuseyn, die Worte, mit welchen Petrus von Jesu ver-sichert wurde, daß er ein Fels sey, auf den er seineKirche bauen wolle, in einem solchen Sinne zu ver-stehen, in welchem sie von den Verfechtern des päbstli-chen Primats verstanden werden.
Nicht das buchstäbliche Gebot der Evangelien, undnicht das dringende Bedürfniß der Christengesellschaft,sondern Lokalverhaltnisse und das Spiel menschlicherLeidenschaften veränderten die ursprüngliche Verfas-sung der Kirche. Erst als diese aufhörte demokra-tisch zu seyn, verloren die Layen den akt-iven Einflußbey Wahlverhandlungcn , und es blieb nur noch demKlerikus gegönnt, Kirchenämterzu besetzen. Aber baldwurde auch er eines solchen Vorzugs beraubt, dessen-er engere Ausschuß einiger Wenigen sich bemächtigte,-ie, wenn gleich in den Evangelien kein Wort davonsteht, doch als die vornehmsten Häupter der Kircheangesehen seyn wollen.
Doch selbst auch dieser engere Ausschuß gieng, wennes um dieErwahlung eines römischen Bischofes zu thunwar, auf eine Art zu Werke, welche oft genug wahr-nehmen ließ, daß die Wähler von einem ganz andernals apostolischen Geiste beherrscht wurden. Man müß-te die ungereimteste Sache von der -Welt behaupten,wenn man sich je die Mühe nehmen wollte, im Ernstezu beweisen, -aß alle Bischöfe von Rom ohne Aus-nahme auf rechtmäffige Weise erwählt worden seyen.Mehr als hinlängliche Beyspiele liefert die Geschichte,-aß die meisten Pabste bald ihren.Iigenen Jntriken,und bald dem mächtigen Einflüsse einer herrschendenFaktion in Italien ihre Erhebung zu verdanken hat-ten. Sehr oft theilten mehrere Personen die Regie-rung der Kirche unter sich. Man müßte mehr als nureigensinnig seyn, wenn man je läugnen wollte, daß
Rom