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Erster Band.
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254 Gesch d. römischkath. Kirche.

Die Kardinale haben erst ün cilften Jahrhunderte un-ter Nikolaus il. das ausschließliche Recht, den Pabstzu wählen, erhalten. Doch gerade die Umstände, wel-che eine solche Abänderung in dem bisherigen Wahl-systeme veranlaßten. beweisen nichts weiter, als daß ge-wisse mächtige Häuser in Italien vorhin den Stuhldes heil. Petrus für sich gleichsam erblich machten.Es war nichts seltenes, ein Kind oder einen Verbrecherauf diesem Stuhle sitzen zu sehen. Aber, was in der Fol-ge geschah, war um nickts besser, als das, was vor-hin sich ereignete. Die Kardinäle verkauften die päbst-liche Würde mit eben so wenig Scheue, als dieselbevon nichtswürdigen Leuthen in Besitz genommen wurde.Die nämlichen Jnkricken und die nämliche Gewaltthä-tigkeit erhub diesen oder jenen zur pabstlichen Würde.Man hat den weltlichen Monarchen zwar allen Ein-fluß auf solche Wahlen entreißen wollen; aber diesesgeschah mehr aus Muthwillen, Stolz und Herrschbe-gierde, als in der Absicht, der Kirche würdigere Ober-häupter zu geben. Ueberhaupt ist die ganze Geschichteder Päbste vom vierten bis ins achtzehnte Jahrhundertein abwechselndes Gemählde von Tugenden und La-stern; und der redlichste Katholike wird leicht versucht,die Lehre des Primats zu bezweifeln, wenn er sieht,

wie wenig sind auch selbst allgemeine Kirchenversammlungen,die doch unendlich mehr Vorsicht, als Pa'bste, hierin» anwen-deten , in der Wahl dieser Nahrungsmittel durchaus ganz glück-lich gewesen ? Es ist eine wahre Gotteslästerung , zu läugnen,daß ein schlechter Pabst, als schlechter Mensch betrachtet, da-rum kein besserer Pabst seyn könne. So weit haben es dochdie allerargsten Despoten noch nicht gebracht; und ich erinneremich keines einzigen Staatsrechtlchrers, welcher je behauptethätte, daß ein Regent seine Unterthanen schinden, und gleich-wohl ein unvergleichlicher, ein gerechter und weiser Regentsevn könne. Und doch ist die Würde der Könige weit älter,als die päbstliche Würde!