472 Gesch. d. römischkath. Kirche.
zeigen. Sie suchen also irgend eine dritte Person, diestatt ihrer hervorrrekten kann, und der sie insgeheimdie Rolle unterschieben, die sie spielen soll. Je unge-wöhnlicher und neuer die Szene ist, in welcher einFantall debütiert, um so gewisser laßt sich auf die Auf-merksamkeit und den Beyfall der Zuschauer rechnen,und um so sicherer kann der hinter den Coulissen ste-hende Soufleur den Schauspieler, einer Puppe gleich,bewegen. Eines solchen Mittels hat man sich zu al-len Zeiten, unter allen Nazionen, und unter allenStaatsvcrfassungen bedient. Nie hat sich ein Schwär-mer aus irgend einem Winkel hervorgewagk, ohnevon irgend einer Parthey insgeheim unterstützt wordenzu seyn. Religiöse und politische Fantasien sind be-ständig die Werkzeuge gewesen, deren die eine oderandere Facktio» sich bediente, auf die Welt zu würke».
Acht Jahre zuvor, ehe Gassner das Geheimniß er-fand, den Teufel zu bannen, hatte Don FerdinandGterzingcr zu München den Muth, etwas im ka-tholischen Deutschlande zu wagen, was im protestan-tischen schon lange vor ihm Thomasius gewagt hatte,nämlich den Hexen und Gespenstern ihre Herrschaft zuentreißen. Er that dieses am iz. Weinmonath 1766.in einer akademischen Rede, und mit dem Beyfall einesHofes, der eben so ernstlich als thätig zur Ausrottungdes gröbern Aberglaubens unter dem Volke, undzur allmahligen Aufheiterung seiner Begriffe jede nütz-liche Anstalt unterstützte. Stcrzingcr hatte in feineBeweise so viel Licht gebracht. daß fast blöde Augensie fassen konnten. Allein gerade diese Deutlichkeitschien jenen, welche nur in der Finsterniß wandeln,ein Verbrechen. Eine ganze Schaar solcher lichtscheuenInsekten flog auf, und heulte fürchterlich in der Ge-gend, die zu dämmern anfieng. Den Hexen und Ge-spenstern ihren hergebrachten Besitzstand zu rauben, schienihnen weit frevelhafter, als Gott zu verläugnen.