Band 
Zweyter Jahrgang.
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Vor einigen Jahren fand sich bey dem damals nochlebenden berühmten Bergarzt Michael Schuppach ein rus-sischer Herr von hohem Rang ein, von seiner Tochter,einem schönen Frauenzimmer von etwa 15. Jahren be-gleitet. Die Stube war voller Leuthe von Stand undandern aus allerhand Ländern , als ein bejahrter Land-mann , mit einem überaus grossen breit und langengrauen Bart in die Stube trat, „ Ich wette», (sagteein eleganter anwesender junger Herr zu der jungen Da-me) , ,, daß Sie diesen Mann nicht küssen werden »!

Avölf Neue Louisd'ors , Johann »! ( sprach sie zu ihrem Bedienten) »Präsentiert dem Herrn diesen Teller.« Hier sind meine Zwölfe: Legen Sie nun die Ihrige»„ dazu ». Da war nun kein Zurücktreten : Die Da-me begab sich sogleich zu dem alten Manne: — ,, Ehr-„ würdiger Mann ,, ! sprach sie , » erlaubt mir, Euch„ zu bewillkommen » ! küßte ihn auf seine beyde bär-tige Wangen, nahm hierauf den Teller aus des Be-dienten Hand, und übergab ihn dem Greisen, mit demGelde , und fuhr fort: „ Da , ehrwürdiger Vater!,, nehmt dieß zu einem Angedenken, daß Rußlands„ Töchter das Alter zu ehren sich «in Vergnügen ma-chen »»

Zu einem Beweise, daß dergleichen Proben edlerweiblicher Empfindsammkeit gar nicht selten sind , er-zählte ich meiner schönen Nachbarin folgenden Zug, da-von ich ebenfalls Zeuge gewesen bin:

Vor ein paar Jahren befand sich in Zürich eine vor-trefiiche Dame, welche Untergouvernante der König-lichen Kinder in Frankreich gewesen, nachher aber ei-nen reichen Kaufmann geheurahtet hat. Sie fragte michan einem sehr zahlreichen Tische, wer mein Nachbar sey?Ich nannte ihr denselben , und sagte ihr zugleich, daßich für ihn wegen seiner großmüthigen Denkart unge-