Band 
Zweyter Jahrgang.
JPEG-Download
 

902

gern Verbrechen waren nicht gänzlich so stark mid helleals die andern : Die Gefangenen bekamen des Tags einPfund Brod , und zweymal Suppe.

Der Magistrat hielt einen beständigen Vorrath vonWasser innert den Mauern des Gefängnisses für so noth-wendig , daß er, obwohl nur einige Schritte weit einBrunnen an der Straße liegt, einen in den Hof hatsetzen lassen.

Zu Basel wird einer von den Stadtthürncn für dieGefangenschaft gebraucht, welche dießmal keine Einwoh-ner hatte. Nichts destominder fand ich mehrere Zimmermit reinem Stroh und Bettdecken schon vollkommen zu-bereitet. Ein jeder Gefangener, (sagte man mir da,)hätte sein eigenes Gemach , in welchem er immer einge-schlossen bleibet, ausgenommen wenn er zum Examen ineine der Rathsstuben geführt wird. Eine von den stärk-sten Zellen ist nächst an der grossen Glocke angebracht,und ohngcfähr 6. Fuß hoch. Au derselben führet eineFallthüre auf der ebenen Decke. Der Gefangene steigtan einer Leiter hinunter , und seine Nahrung wird ihmdurch ein kleines Thürchen auf der Seite dargereicht.Da ich nähere Nachricht von dieser ungewöhnlichenStrenge einzog, erzählte mir der Hüter, daß ein Ge-fangener jüngst, alles dessen ungeachtet, durchgebrochen sey,und sich geflüchtet habe. Ich konnte nicht errathen,was für ein Mittel er dazu gebraucht, und hört folgen-des. Er hatte den Löffel für seine Suppe so zugespitzt,daß er ein Stück von der Wand damit losmachen konn-te ; alsdann gebrauchte er zu wiederholten Malen die ge-schickte List, mit aller Gewalt gegen die Thüre zu stossen,gerade wenn die grosse Glocke schlug, welche seine Schla-ge unhörbar machte. In Zeit von vierzehn Lagen for-cierte er dergestalt alle Riegel und Schlösser. Da er esaber versuchte, sich von der une'ndlichen Höhe an einem